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8 Ort 3, derselbe

Beschreibung

Versuch Gesehenes, Gehörtes, Gefühltes, Gedachtes vor Ort einzufangen und einen poetischen Text zu schreiben.

Beschreibung Ort

Kategorie: Text

Ort 3 Violettes Wasser säumt sich am türkisblauen Rahmen. Keine Bewegung, alles ist still. Autos aneinandergereiht, alle wollen hinein. Eine Stimme, Feuer, Rauchgeschmack, das Holz zerkleinernd, Feuer machend, wärmend. Es hallt und es ist kalt. Der Himmel tunkt sich in violette Farbe und leuchtet gegen die immer heller werdenden Lichter der Erde an. Sie strahlen entgegen dem Himmel, ihr Licht schwindet. Der Wegweiser zeigt in Richtung unbekannter Orte. Ein Gitter trennt ab, das Wasser wird eingesperrt. Der Weg schlängelt sich durch die dunkelgrüne Gegend. Eingepudert in ein endloses grünweisses Streifenmuster. Der dunkle Stromkasten, der das Gitter durchtrennt. Leute stehen auf der schweren Betonbrücke, über die schwere Betonbrücke laufen sie und drücken von oben herab. Der Himmel nimmt die Farben der Stadt auf. Die orangen Lichter sickern durch die Dunkelheit des Waldes. Sie sind wie Balken, die die Bäume durchdringen. Alles wird grau, die Farben flüchten. Ein Ast ist unter der Last zusammengebrochen. Die Wolken federleicht, ziehen vorbei und geben den Blick frei auf Vergangenes. Wie oft habe ich schon zum Himmel geschaut? Den tänzelnden Ponys, den Schneehasen zugesehen, wie sie sich vor die Sterne schieben und die Sicht auf die Weiten verschließen. Eingeschlafen, nichts bewegt sich, Sommerschlaf, Winterschlaf, Nachtschlaf. Die Flammen greifen hoch, höher, der Abgrund stürzt hinunter, gibt nasse Füsse. Entscheiden zwischen Wiesen, Strasse, Schwimmbad, Brücke, Daheim. Der Hund braun, braun vor Dreck läuft gemächlich hinterher. Selbst die Strasse wird von der Kälte gefressen. Der Dreck ist gefroren. Die Wiese tot, ich betrete sie mit Nachdruck und wecke sie aus ihrem Schlaf, Winterschlaf, Sommerschlaf, weissen Schlafanzug. Ort 3, derselbe Autotüren schliessen, unregelmässige Abstände wecken die Aufmerksamkeit. Die Schritte, die unregelmässigen Schritte, nähern sich fordernd, leuchtblau, markant. Die Dunkelheit legt sich drückend auf die unterlegene Stadt. Flackern Weggeister, Wegweiser, die den Vorbeigehenden das Zukünftige weisen. Ein Schwall Wasser, ansteigend der Ton, gleichmässig rinnt er in die schluckende Erde. Ruckartige Bewegungen, Bewegungen die nicht zu orten sind. Eigentlich schreibe ich lange Sätze. Die Stadt lebt in der Nacht, es gibt sie, die in-der-Nacht-Lebenden. Unausweichlich, jeden Tag das Gleiche, Tag ein Tag aus, Schuss. Ich erschrecke. Alleine hier oben, ich alleine, sehe meine Finger nicht mehr. Aufgefressen von der Dunkelheit, nicht nur das, Identität verloren, die Aufgabe ist weg, nicht mehr nötig, es muss warten. Ich folge meinen Spuren in die andere Richtung, Wasserlöcher, gefüllt mit verflossenem Wasser. Das immer gleiche Brummen folgt meinem Ohr, es klammert sich an meinem Ohr fest. Dieses nervende GIS. Allgegenwärtig, einzig unterbrochen von Geräuschen der Nacht. Sie gehören zusammen, untermalt von roten Linien der vorbeifahrenden Autos.

12 Der Zugersee

Beschreibung

Wenn man zusammen mit einer Person ist, die man mag, werde viele Orte zu einem Stammplatz - selbst wenn beide Personen unterschiedliche Vorstellungen von einem "schönen Ort" haben...

Beschreibung Ort

Kategorie: Text

Sein Stammplatz wäre der Mond: Von ganz weit weg das Treiben auf der Erde beobachten, ohne selbst beobachtet zu werden. Die Sterne noch viel heller leuchten zu sehen. Sich schwerelos fühlen. Ihr Stammplatz wäre eine riesige Stadt, voller Lebendigkeit: Sich ins Getümmel zu stürzen. Kleider, Schuhe, Accessoires zu kaufen. Neue Bekanntschaften machen. So sitzen sie jetzt zu zweit auf dieser Bank am See. Der Mond weit weg, die Stadt so fern und doch: ein Stammplatz.

13 Der Baum

Beschreibung

Die Wichtigkeit und Schönheit eines bestimmten Ortes merkt man oft erst dann, wenn man sich bewusst wird, dass man ihn vielleicht das letzte Mal gesehen hat...

Beschreibung Ort

Kategorie: Text

Er hat noch nie einen anderen Ort gesehen als diesen, und dennoch weiss er, dass das sein Stammplatz ist. Seit nun mehr hundert Jahren betrachtet er von diesem Hügel aus die Aussicht und wie sie sich verändert. Als er noch jung war und sich schwächlich im Wind hin- und herneigte, beobachtete er die Möven und ärgerte sich über deren lautes Geschrei. Beim ersten Tragen seiner Früchte beschwerte er sich über deren Last und die strahlende Sonne, die ihm auf die Rinde brannte. Mit zunehmender Grösse tat sich vor ihm der Blick über den ganzen Zugersee auf. Am fernen Ufer des Sees erblickte er die sich langsam bildende Stadt. Immer weiter dehnte sie sich aus und bald schon galt seine Aufmerksamkeit nicht mehr der Aussicht, sondern seiner nahen Umgebung. Baugerüste wurden neben ihm in den Boden gerammt und Bagger fuhren herbei. Und er fragte sich: Wie lange bleibe ich hier noch? So erzählte er sich, rückblickend auf sein Leben folgende Geschichte: „Als ich noch jung war und mich schwächlich im Wind hin- und herneigte, bestaunte ich die Flugkünste der Möwen und wie sie sich waghalsig auf ihrer Fischsuche ins Wasser stürzten. Beim ersten Tragen meiner Früchte genoss ich die wärmenden Sonnenstrahlen und schaute hinab ans Ufer des Zugersees und fragte mich, wie gross dieser wohl sein mag. Mit zunehmender Grösse tat sich vor mir der Blick über den ganzen Zugersee auf. Am fernen Ende des Sees erblickte ich nun interessiert die sich langsam bildende Stadt. Immer kräftiger wurden meine Äste, immer stärker mein Stamm - immer mächtiger wurde die Stadt, immer näher rückten die Häuser. Und nun, zwischen Baugerüsten und Baggern halte ich die Stellung und frage mich: Wie lange kann ich hier noch bleiben?“ Der Baum hat noch nie einen anderen Ort gesehen als diesen und dennoch weiss er, dass das sein Stammplatz ist.

35 Musik schweigt nicht

Beschreibung

Ich möchte die Atmosphäre eines Metalkonzertes einfangen und mit der Ideologie des Genres, in einem Gedicht verbinden.

Beschreibung Ort

Einen beliebigen Platz an einem Metalkonzert in der Schüür, innerhalb von vielen anderen Besuchern.

Kategorie: Text

Stell dir vor ein Ort, An dem man braucht kein Wort. Klänge füllen den Raum Und verwandeln ihn zum Traum. Es scheint, es gäbe keine Zeit, Von jetzt bis in alle Ewigkeit. Herkunft, Reichtum und Religion, Bedeutungslos, schon fast Tradition. Alles in schwarz gekleidet, Überall als Uniform verbreitet. Für den normalen Betrachter recht traurig, Jedoch viel mehr als das, sogar farbig. Alles was in der Gesellschaft verboten, Wird hier dargestellt von den Boten. Tabus werden beschrieben, Die durch schweigen nicht davonfliegen. Man spielt mit dem Toten Und löst den ängstlichen Knoten. Deshalb, durch Vorurteile verhasst Und von zahlreichen Menschen verpasst. In Gedanken frei, Doch immer noch gefangen im Ei. Es gilt nun, zu durchbrechen die harte Schale, Ein für alle Male. Es ist mehr als Musik, Mehr als Kunst. Es ist Freiheit, Es ist Leben.

51 "Nella dolce conca Lattecaldese"

Beschreibung

Questo testo lo dedico ad una particolare giornata che ho passato in compagnia di due mie care amiche che non vedevo da molto tempo. È stata una giornata davvero strepitosa anche se estremamente umile. Certi momenti è meglio non dimenticarli e questo è il mio omaggio!!!

Beschreibung Ort

Scuole elementari di Lattecaldo sopra una dunetta di terra, tra le panchine e gli alberi abbiamo la fortuna di poter godere di una vista meravigliosa. da vedere!

Kategorie: Text

Frizzante brezza, la stessa identica sensazione di quando vivi quei momenti di pura libertà ed estasiante disinibizione. Dolci e sensuali sono le discese delle vallate che si estendono davanti a noi, sembrano quasi voler imitare i generosi seni di madre natura. Semplicemente fantastico. Un luogo quasi mistico, incastonato tra le imponenti montagne Svizzere, completamente circondate da un campagnolo verde che dona familiarità e benessere al luogo. Si ode in lontananza il grigio e cupo traffico cittadino e noi, completamente libere da ogni preoccupazione, ci limitiamo a vivere quel semplice ma, intenso momento di riappacificazione con noi stesse. Sembra indescrivibile l’attimo che precede il sorriso, un’esplosione di gioia negli occhi di ognuna e un imbarazzante ma, estremamente raffinato rossore sulle guancie rende quel momento, uno dei pochi da ricordare per sempre…

70 Friedhof

Beschreibung

Kurztext

Beschreibung Ort

Friedhof Sihlfeld

Kategorie: Text

Der Friedhof Sihlfeld liegt abgegrenzt durch eine dicke Mauer mitten im Quartier Sihlfeld. Der Lärm der Strasse ist hier drinnen nicht zu hören, die Hektik des Alltags lässt man beim Betreten draussen. Alles andere scheint sehr weit weg. Die hohen Bäume werfen lange Schatten auf den Kiesweg, kein Mensch ist zu sehen. Ich gehe weiter und erreiche die Gräber. Die Grabsteine unterscheiden sich alle und doch sehen sie irgendwie gleich aus. Kalt und starr stehen sie aufgereiht nebeneinander, hintereinander. In ihrer Unbeweglichkeit erinnern sie mich an Zinnsoldaten. Hin und wieder jedoch komme ich an einem Stein vorbei, bei dem ich merke, dass er mit Liebe gepflegt wird. Brennende Kerzen stehen da, frische Blumen sind hingelegt worden und auf einem Stein sitzt ein kleiner Engel. Die Blumen stehen im Gegensatz zu dem viereckigen Stein, denn die Rosen wachsen so wie es gerade kommt, sie haben keinen rechten Winkel und halten sich auch sonst an keine Gesetze. Das leuchtende Rot der Blüten und das satte Grün der Blätter stehen in einem extremen Kontrast zu dem eintönigen Grau der Steine. Dieser Gegensatz, der Leben und Tod vereint, trägt zu der leicht melancholische Stimmung bei, die hier ohnehin wie ein sanfter Schleier über den Wiesen liegt. Die unzähligen kleinen Wege führen mich durch die riesige Parkanlage, vorbei an weiten Wiesen und vielen Gräber. Einige sind besonders schön, verziert mit weissen Statuen, wie das von Henry Dunant oder geschmückt mit einem grossen Kreuz und umwachsen von Efeu, wie das von Johanna Spyri. Andere aber haben nicht einmal einen eigenen Grabstein. Alle Urnen werden in derselben Mauer aufbewahrt, verdeckt hinter weissen Steintäfelchen, auf denen ihre Namen stehen. Davor stehen Bänke, die meisten davon sind leer. Auf einer aber sitzt eine alte Frau, sie rührt sich nicht, schaut nur geradeaus. Ihre Augen ruhen auf dem einen Namen, der ihr alles und zugleich nichts sagt. Die weisse Schrift auf dem kalten Stein hat nichts gemein mit den lebendigen Erinnerungen, die sie in sich trägt. Und doch sitzt sie unbeweglich auf ihrer Bank unter dem Baum, der in der Zwischenzeit ein kleines bisschen weiter wächst.

74 Mystische Nächte

Beschreibung

Kurzgeschichte über eine Insel, die eigentlich gar keine ist

Beschreibung Ort

Inseli vor Wangen an der Aare, Feuerstelle am Ufer mit Bank und Statue

Kategorie: Text

Inseln sind Quellen der Ruhe und Inspiration. Inseln regen zum Träumen an – doch diese hier nicht. Es ist eine falsche Insel, verbunden mit drei Brücken, erschlossen mit Strassen, aus dem Westen trägt der Wind monotones Dröhnen der Autobahn, im Süden marschieren Rekruten aus der Kaserne. Eine Garage befindet sich hier, eine Schreinerei auch. Das Schwimmband. Der Fussballplatz. Wohnhäuser. Auf dem Inseli vor Wangen an der Aare hält man oft nur, um gleich wieder zu verschwinden. Die Holzbrücke im Süden führt über den Fluss direkt ins historische Städtchen dieser 2000-Seelen-Gemeinde. Gleich beim Torbogen dreht ein Kebab-Spiess hinter dem Schaufenster. Der Imbiss hat fast immer geöffnet, für Geschäftsleute, Rekruten und die Jungen. Den Chef, der immer ein Lächeln auf dem Gesicht trägt und manchmal zu viel Wechselgeld gibt, nennen einige nur „den Türken“. Ein Grillplatz liegt auf diesem Inseli im Westen, am Aarespitz. Wer sich auf dem Wasser hertreiben lässt, kann das Boot an die seichte Sandbank steuern und seine Füsse auf dem weichen Gras absetzen. Büsche und Bäume schützen das Ufer vor Blicken. Eine geschwungene Steinstatue steht hier. Neben der mit angeschwärzten Steinen umrandeten Feuerstelle ist immer Brennholz angehäuft. Über die Wiese fliegt manchmal ein Fussball, bis am Feuer die Flammen lodern und Glut knistert. Wenn sich die blutrote Sonne hinter der Jurakette zurückzieht und die Insel der Dämmerung überlässt, brutzeln Würste an Spiessen, klirren Bierflaschen, johlen Stimmen. Der Autolärm nimmt ab und spielt mit dem Fluss eine sonderbare Melodie. Es befindet sich eine Discothek ganz in der Nähe am anderen Ufer. Doch wer sich auf die grüne Holzbank setzt und den Geschichten der anderen lauscht, vergisst die Zeit. Und wenn spätnachts doch jemand auf sein erleuchtetes Handydisplay schaut und erschrocken feststellt, dass der letzte Zug bald fährt, alle rasch ihre Habseligkeiten zusammenpacken und über die Holzbrücke eilen, blicken sie nochmals zurück und sagen sich: Hier gehen wir wieder hin.

87 Treffpunkt

Beschreibung

Treffpunkt: Ein kurzer oder langer Ort zum Warten. Ganz davon abhängend, was es zu erleben gibt.

Beschreibung Ort

Kategorie: Text

Neun Uhr. Bald geht’s los. Drei junge Frauen spazieren an mir vorbei. Fröhlich plaudernd, tauschen sie ihre Erlebnisse vergangener Woche aus. Die Gesprächsfetzen klingen spannend. Ein Windstoss trägt Flussgeruch zu mir, gemischt mit abendlicher Stadtluft und etwas Frühlingsduft. Morgen soll es regnen, doch heute bleibt es trocken und mild. Es ist laut. Autos hupen, Trams quietschen und Menschen lachen, rufen und schwatzen wild durcheinander. Gegenüber wird ein roter Kinderwagen über den Zebrastreifen geschoben. Am Boden liegen Zigarettenstummel, Fetzen einer alten Zeitung und eine leere Coladose. Ich setzte mich auf den Absatz vom Kiosk mit der Glasscheibe im Rücken. Ein Velo flitzt vorbei. „Haalloooo!“ Ein Rufen erreicht mich. Ich blicke nach vorne. Zwei Gestalten laufen auf mich zu und ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Wir sind vollständig, jetzt geht’s los!

88 L’Homme de la Cathédrale

Beschreibung

Les souvenirs d'un homme qui a passé la plupart de son temps près de la cathédrale Saint-Pierre, à Genève. (fiction)

Beschreibung Ort

Kategorie: Text

Dans le silence d’une nuit genevoise, entre le tourment d’un homme et l’orage de cinq cent petites vies entassées dans une salle de concert, Jack s’assied près de la cathédrale. Sa boisson presque vide, mégot éteint entre ses doigts, il contemple son lieu favori. Un solide bâtiment de pierre et de foi, bâtie dans la force des âges, la pierre claire et dure est comme un phare dans une nuit qui ne semble pas finir pour tout le monde. Jack est assis depuis quelques minutes au pied de la maison de Dieu, jetant le cadavre de sa cigarette dans la flaque la plus proche. Petit bout d’évasion, mille lucioles mourantes à l’approche de l’aube et juste-là, Jack finit son tube d’antidépresseurs. Délire éveillé, conscience heurtée, les murs grimpants vers un ciel sans fond remettent en cause des souvenirs pêle-mêle. Je connais cet endroit comme le fond de ma poche, se dit-il, mais il ne voit pas arriver la chute qui se dessine. Un peu plus de trois ans que Jack est arrivé derrière la cathédrale et maintenant, un peu moins de quelques minutes pour s’en aller. Il y a les habitudes qui se créent lorsque l’on fréquente un lieu ; une lassitude. Les amis que l’on s’y fait, ces éphémères, les saisons qui défilent et laissent des cicatrices indélébiles aux paysages dans nos mémoires. L’atmosphère se transforme. Tout ici est une pâle réalité, mais si l’on s’y penche un tant soit peu, c’est pour y découvrir des merveilles enfouies. Un oiseau prend son envol et les gargouilles regardent religieusement le temps qui passe. La montre de Jack s’est arrêtée il y a bien longtemps, la grande aiguille sur le douze. Vient en tête le bruit des cloches qui sonnent frénétiquement, alors les milliers de pavés, les blocs de pierre froids, le cœur même de cette terrible mais belle cathédrale se mettent à pleurer. C’est la flamme d’une bougie qui s’éteint dans le vent, plus fort encore que les prières et la désolation. Tout n’est pas toujours sombre, c’est seulement la vision d’un solitaire, qui démissionne de sa propre vie. Face à cela, il y a des êtres qui vont par paires, les mains collées l’une à l’autre, des étudiants qui profitent des rayons de lumière et de la sérénité ambiante. Un calme apaisant s’est instauré il y a fort longtemps. Cet endroit chargé de souvenirs permet à Jack d’y trouver la quiétude adéquate à son humeur. Il peut se vider du mal qui coule en lui sans peine. Régulièrement, il laissait des inscriptions au feutre contre le bâtiment, mais le temps les emportait. Tout finissait par disparaitre. Même Jack.

98 Binario X

Beschreibung

Pensieri di un pomeriggio di fine settembre, attraversando la Svizzera.

Beschreibung Ort

La combinazione di elementi e percezioni permettono di accomunare più luoghi e situazioni, questo a prescindere dal posizionamento geografico.

Kategorie: Text

Lieve percezione sensoriale, le rotaie vibrano, fremono, stridono, urlano. Cala il silenzio. Una calma fittizia, un brusio attutito precedono la voce metallica ed il suo profetico annuncio, dove un destino “prêt-à-porter” ti aspetta sorridente. Quale sollievo per l’individuo conoscere la propria destinazione pur sapendo di non sapere. In questo luogo convivono l’attesa e la frenetica corsa contro il tempo, la razionalità di orari e percorsi prestabiliti e l’irrazionalità della caotica emotività umana. La stazione, luogo di contraddizione per eccellenza, dove il tutto si incontra, dove il tutto si completa.

107 Belvédère

Beschreibung

Der Beitrag beschreibt die atemberaubende Aussicht des Cafés Belvédère in Fribourg.

Beschreibung Ort

Das Belvédère ist ein kleines Café in der Altstadt Fribourgs. Sitzt man draussen, hat man eine unglaubliche Aussicht über das Tal und die Untere Altstadt von Fribourg.

Kategorie: Text

Ein seichtes Lüftchen streicht angenehm über meine Arme, als sich ein goldener Herbsttag langsam dem Ende zu neigt. Ich lasse den Blick über das Tal schweifen. Die Sarine glitzert verführerisch in der Tiefe und lädt zum Verweilen ein. Die Bäume erstrahlen in der untergehenden Sonne herrlich in ihren Rot-, Orange- und Brauntönen. Der Wind raschelt leise in der Baumkrone über mir und lässt ein einzelnes Blatt zu Boden segeln. Die Terrasse des Cafés direkt am Abgrund eröffnet eine atemberaubende Sicht über das Tal und die Altstadt. Weit unten kann man sogar die Schule und das Schwimmbad ausmachen. Die altertümliche Steinbrücke erinnert mich immer an ein Märchen, dessen Titel ich vergessen habe. Standhaft und beruhigend steht sie über dem glitzernden Wasser. Ihr Anblick lässt mich meinen Alltagsstress sofort vergessen. Der Dampf meines Tees kringelt sich im Gegenlicht. Ich sitze da und geniesse den vielleicht letzten schönen Herbsttag. Ich muss schmunzeln. Was dieses Café so einzigartig macht? Die Antwort liegt dir zu Füssen.

109 Chöfpi

Beschreibung

Die Geschichte erzählt von einer Möglichkeit, wie die Chöpfi zu ihrem Namen kam.

Beschreibung Ort

Die Chöpfi ist ein beliebtes Ausflugsziel.Im Laufe der Jahrtausende hat die Witterung alles weichere Material an dieser Stelle abgetragen. Geblieben sind harte, runde Gesteinsformationen, die an Köpfe erinnern. Die Aussicht von dort auf Wülflingen ist wunderbar!

Kategorie: Text

Arvit gähnte. Er war müde vom Marschieren. Schritt für Schritt wurde sein Kopf schwerer und sein rechter Zeh schmerzte, weil er gestolpert war. Mit schon fast geschlossenen Augen setzte er sich auf den nächsten Stein und stützte den Kopf in seine Handfläche. Das tat gut. Er schaute auf seine nackten Füsse. Ganz schwarz waren sie, vom vielen Gehen. Die dunkle Erde des Waldes klebte daran. Doch Arvit scherte sich nicht darum, er war bereits weggedöst. Als er wieder aufwachte, stand, ein paar Schritte entfernt, ein Ehepaar und schaute zu ihm herüber. „Schau mal,“ flüsterte die Frau zu ihrem Mann und stiess ihn mit ihrem Ellbogen an. „Wie bei Rodin: Der Denker sitzt reglos da und stützt den Kopf in seine Hand. Vielleicht kommt ja die Bezeichnung „Chöpfi“ gar nicht von Kopf oder köpfen, sondern von chopfe*!“ „Du hast Recht. Zum Denken regt dieser Ort auf jeden Fall an, so mystisch mitten in Wald.“ * chopfe = Mundart für begreifen, etwas verstehen

110 Märwiler Riet

Beschreibung

Die Geschichte erzählt von einem warmen Sommertag am Märwiler Riet - einem unglaublich schönen Ort!

Beschreibung Ort

Das Märwiler Riet ist ein Naturschutzgebiet. Das Moor ist noch erhalten und man kann dort schwimmen, grillieren, seltene Pflanzen geniessen und die Seele baumeln lassen. Da muss man einfach einmal gewesen sein!

Kategorie: Text

Ich schloss die Augen und atmete den Duft der Wiese und des Moors ein. Wie ich diesen erdigen Geruch liebe! Die Sonne war angenehm warm auf meinem Gesicht und ich merkte, wie ich langsam schläfrig wurde. Grillen zirpten mit den Vögeln um die Wette: ein wunderbares Hochsommer-Konzert. Kinder quietschen vergnügt und sprangen ins kühle Nass. Ich liess mich auf dieser Geräuschwelle mittragen. Was für ein friedlicher Ort. Ich erwachte wieder, als mir der Geruch von gegrillten Würsten in die Nase stieg und ein Freund neben mir eine Packung Chips aufriss. Es ging gegen Mittag zu. In der Zwischenzeit war ich aufgeheizt und lechzte nach Abkühlung. Also stand ich auf und lief zum See. Eine Entenfamilie schnatterte laut und schwamm auf einen Teppich aus Seerosen zu. Malerisch, dunkel und leuchtend zugleich lagen sie auf dem Wasser und begannen sich im Rhythmus der Enten auf und ab zu bewegen. Auf dem Holzsteg standen drei kleine Kinder. Sie äugten misstrauisch auf den dunklen See. Ihr Vater war schon drinnen und wartete, bis sie sich getrauen würden zu springen. Da bevorzuge ich dann doch die Treppe! Das Wasser war kühl und weich. Eine Art von Wasser wie sonst nirgendwo. Es würde sich auch in der grössten Sommerhitze nicht zu sehr erwärmen und immer eine angenehme Abkühlung bleiben. Paradiesisch! Ich drehte eine kleine Runde und setzte mich wieder zu den anderen in den Halbschatten. Dankbar für den Schutz vor der grellen und heissen Mittagssonne. Hungrig langte ich nach einer Wurst.

117 Träume eines verblichenen Machthabers

Beschreibung

Eine kleine Rundfahrt in der Kutsche eines geheimgebliebenen Königs.

Beschreibung Ort

Unscheinbar bestimmt, aber jeder (zumindest Stadtzürcher) kennt ihn.

Kategorie: Text

Das ist mein Platz. Niemand weiss es. Nur ich. Darum gehört er auch nur mir. Ich bin der Monarch, der Herrscher über dieses edle Gespann. Kobra 2. Niemand weiss es. Denn ich reise inkognito. Die zwei Stufen zu meinem Thron trennen mich vom Fussvolk, dessen nichts ahnende Blicke mich gleichgültig steifen, wenn ich sie im Geiste gütig segne. Hier bin ich der Papst, Helios im Sonnenwagen und Kleopatra gleichzeitig. Sanft schaukle ich in meiner Sänfte durch die Strassen, gewähre hin und wieder den gehetzten Pendlern eine Audienz. Sie schweigen mich stumpf an, während ich sie mit der Gutmütigkeit eines wohlwollenden Kaisers betrachte. Inzwischen verehren sie längst heidnische Gottheiten, hören Musik in mp3-Format und lesen ketzerische Gratiszeitungen…Aber kommt ein Herrscher wahrer Grösse umhin, sein Volk zu lieben, wenn es sich von ihm abwendet? Unter falschem Namen mische ich mich unter sie, beziehe meinen rechtmässigen Platz und besuche meine Stadt in diesem bescheidenen Gefährt. Verkleidet als verwirrte Kunststudentin, nähere ich mich meinen Untertanen. Kein Zepter, keine Krone, nicht einmal einen Diener führe ich mit mir. Einzig und allein dieser Platz könnte den aufmerksamen Beobachter ahnen lassen, wen er vor sich hat. Denn ich strahle, wenn ich hier sitze, leuchte von innen heraus, erlaube mir diese Freude. Das ist mein Platz. Niemand weiss es. Viel ist mir nicht geblieben von meinem früheren Reich, doch wenn ich so durch die Stadt fahre, scheint es mir, zeigt sie sich von ihrer besten Seite. Keiner blickt zu mir auf. Niemand reicht mir Gaben der Huldigung. Denn ich fahre nicht in meinem Streitwagen durch die Menge, winke nicht anmutig von der Balustrade meines Palastes oder grüsse vom hohen Ross aus… Die Studentin in mir bevorzugt das Cobra-tram. Doch der Monarch in ihr freut sich dann umso mehr, wenn sie seinen Lieblingsplatz, sozusagen im Heck des Schiffes auf der Kommandobrücke, ganz hinten im erhöhten Halbrund ergattert. Doch das ist unser kleines, königliches Geheimnis.

135 ...23 Schäfchen, 24 Schäfchen, 25 Schäfchen, ...

Beschreibung

Ich habe meine Kurzgeschichte so versucht zu schreiben, dass es nicht gleich offensichtlich ist, um welchen Ort es sich handelt, der Leser soll zuerst etwas darüber nachdenken müssen. Ich bitte Sie daher: LESEN SIE DIE FOLGENDE BESCHREIBUNG DES BEITRAGS BITTE ERST, NACHDEM SIE DIE KURZGESCHICHTE GELESEN HABEN! VIELEN DANK! Bei meinem Lieblingsort handelt es sich um das Land der Träume, oder die Traumwelt, wie man diesen Ort auch nennen mag. Die Kurzgeschichte zeigt, wie das Ich zu Beginn gespannt darauf ist, was es in seiner Traumwelt erleben wird. Es ist sich aber auch bewusst, dass es nicht ans Einschlafen denken darf, wenn die "Reise" möglichst bald losgehen soll: "Wo bleibt der Zug? Ich versuche, nicht mehr an ihn zu denken, denn erfahrungsgemäss kommt der Zug erst, wenn man ihn vergessen hat." Dies ist (abgesehen vom Titel) der erste Hinweis auf die Traumwelt. Das Ich versucht sich also abzulenken, denkt über die Ferien in Florida nach und dann, als es eben nicht mehr an den "Zug" denkt, "steigt es ein", ohne es zu bemerken und "fährt durch das Land der Träume". Dieser Übergang in die Traumwelt findet da statt, wo das Ich nicht mehr nur aus der Distanz darüber nachdenkt, was er beim nächsten Mal tun wird, um einen Diebstahl zu verhindern, sondern sich die Szene vorstellt, ja aktiv erlebt: “Aber es kommt tatsächlich jemand!..." Das Ich, das anfangs noch bei Verstand war und mit Vernunft überlegte, entfernt sich nun je länger desto mehr von der Realität. Dies merkt man nicht nur am Inhalt, sondern auch an der Satzstruktur. Gegen Ende sind die Sätze reine Fakten, frei von jeglicher Beurteilung. Erst mit der Tatsache, dass Emma Watson auf das Ich “voll abfährt“, erreicht der Traum seinen Höhepunkt und das Ich ist an einer Stelle, an der ihn sein Unterbewusstsein fast wachrüttelt, ihm sagt: Hey überleg doch Mal! Emma Watson soll auf dich stehen? Glaubst du das? Ist das nicht ein Traum? Dieser zweideutige Satz am Ende der Kurzgeschichte ist ein weiterer Hinweis. Dem Leser, der womöglich noch nicht sicher ist, was er von dieser Geschichte halten soll und sich fragt, wo denn nun dieser Lieblingsort sein soll, wird damit sozusagen die Antwort schwarz auf weiss vorgelegt. Vielleicht erkennt er den eigentlichen Sinn dieser Frage sofort und realisiert nun, dass es sich beim Lieblingsort um einen Traum handelt, oder er hält die Frage einfach für eine berechtigte Frage des Ichs (Essen mit Emma Watson, wäre doch echt ein Traum, nicht?). Jene, die am Ende der Kurzgeschichte immer noch nicht wissen oder zumindest ahnen, worum es sich beim Lieblingsplatz handelt, werden wohl nochmals über den Titel nachdenken, der zu Beginn etwas eigenartig klingen mochte, und es spätestens dann verstehen. Und wenn nicht – Kurzgeschichten sollen ja zum Nachdenken anregen :D

Beschreibung Ort

Ich habe meine Kurzgeschichte so versucht zu schreiben, dass es nicht gleich offensichtlich ist, um welchen Ort es sich handelt, der Leser soll zuerst etwas darüber nachdenken müssen. Ich bitte Sie daher: LESEN SIE DIE FOLGENDE BESCHREIBUNG DES ORTES BITTE ERST, NACHDEM SIE DIE KURZGESCHICHTE GELESEN HABEN! VIELEN DANK! Was macht diesen Lieblingsort aus, welche Eigenschaften kann man aus dieser Kurzgeschichte ziehen? Einerseits zeigt sie, dass sie – im Gegensatz zu realen Orten – ganz einfach zugänglich ist. Man braucht kein Geld, keine Einreisebewilligung oder etwas Ähnliches, es muss einem nur gelingen, einzuschlafen (Das Ich versucht, den Zug zu vergessen, weiss, dass die Reise erst losgehen wird, wenn ihm das gelingt). Andererseits zeigt sie auch den Kontrast zu unserer durchgeplanten, kontrollierten Welt. In der Trauwelt wird das, was im Alltag unmöglich ist, möglich. Keine Grenzen. Keine Gesetze. Scheiss auf Schwerkraft. Scheiss aufs Geld. Ich bin Gott und das ist meine Welt. Wenn ich nach Australien will, dann bin ich in Australien. Wenn ich ein Date mit Emma Watson möchte, habe ich es, sofort! Haben Sie auch schon einmal gedacht: Eine Rückgängig-Taste fürs Leben wäre echt praktisch! Nun, in der Traumwelt kein Problem (Wird beim Abschnitt mit dem Dieb deutlich). Ein unendlicher Horizont, eine unerschöpfliche Palette an Möglichkeiten, ich mische die Farben, mische die Karten mit denen gespielt wird, ich schreibe die Spielregeln. Man könnte das Land der Träume also fast als eine Art Kompensation für unsere Machtlosigkeit in der Realität ansehen. Da werden die „Ich würde so gerne...Wie schön wäre es wenn...Hätte ich doch bloss nicht...“ usw. verarbeitet. Kurz: Da werden Träume verwirklicht. Mit diesem wunderschönen Wortspiel bin ich am Ende meiner Beschreibung. Ich hoffe Sie finden meinen Lieblingsplatz ebenso genial wie meine Kurzgeschichte. Wenn Sie bis hierher gelesen haben, dann wissen Sie, dass eine Menge Überlegungen hinter dieser Kurzgeschichte stecken. Vielen Dank.

Kategorie: Text

...23 Schäfchen, 24 Schäfchen, 25 Schäfchen, ... Ich warte, ungeduldig, aber gespannt auf die bevorstehende Reise an meinen Lieblingsort. Wo bleibt der Zug? Ich versuche, nicht mehr an ihn zu denken, denn erfahrungsgemäss kommt der Zug erst, wenn man ihn vergessen hat. Was werde ich heute wohl erleben? Eine Verfolgungsjagd, bei der ich den Gangster schnappe und zum Helden der Nation werde, wäre nicht schlecht. Aber ich würde mich natürlich auch mit etwas weniger Abenteuer zufriedengeben. Hauptsache, es geht bald los! Wo bleibt der Zug? Vergiss den Zug, denk an etwas anderes! Weisst du noch, wie du vor einigen Jahren in Florida warst? Was du dort nicht alles erlebt hast! Delfine konntest du berühren. Die Alligatoren waren auch sehr eindrücklich. Nur schade, dass so viel vom Hurrikan verwüstet war. Auch auf die kleptomanisch veranlagten Hotelangestellten hätte ich verzichten können. Unglaublich. Da lasse ich einmal mein Portemonnaie im Hotel liegen und, schwups, weg sind die Dollarscheine! Das nächste Mal lasse ich besser nichts Wertvolles im Hotelzimmer. Oder ich könnte eine Kamera aufstellen! Ah, wahrscheinlich stehlen sie dann die Kamera. Ich verstecke mich also besser unter dem Bett und warte. Obwohl, was wenn ich vergebens warte? Vielleicht stiehlt ja niemand in diesem Hotel! Aber es kommt tatsächlich jemand! Es ist kein gewöhnlicher Hotelangestellter, es ist ein schwarz gekleideter Mann mit einer Kapuze. Er durchsucht eine Schublade. Ich krieche leise unter dem Bett hervor und greife nach seinen Füssen, versuche ihn zu Fall zu bringen. Er lacht nur und verpasst mir einen Fusstritt. Ich muss es anders versuchen! Ich warte also hinter der Tür, und als er reinkommt, springe ich ihn von hinten an, aber er packt mich und will mich aus dem Fenster werfen. Ich warte also hinter der Tür, und als er reinkommt, schlage ich ihn mit einem Tennisschläger nieder. Die Polizei ist mir sehr dankbar, es handelt sich nämlich um einen international gesuchten Schwerverbrecher, der unter anderem auch für einen Einbruch im Louvre verantwortlich war. Meine Heldentat macht Schlagzeilen. CNN lädt mich zu einem Interview ein. Nach der Autogrammstunde ruft mich Emma Watson an. Wir gehen zusammen essen. Sie fährt voll auf mich ab. Ist das nicht ein Traum?

144 Romantisches Gefühl

Beschreibung

Zwei Menschen möchten das letzte romantische Gefühl einfangen. Das Gefühl entkommt.

Beschreibung Ort

Der Webereiweiher in Wängi.

Kategorie: Text

Mücken schwirren in wütenden Wolken über dem Feldweg. Von fern weht der Lärm der Hauptstrasse herüber. Moos und Schilfstücke dümpeln auf dem grünlichen Weiher vor sich hin, treiben gemächlich am Steg vorbei. Man könnte von einem Sommerabend sprechen. Man könnte auch von anderen Dingen sprechen. Siehst du das? Was? Dort am Ufer. Da bewegt sich was. Lass uns näher gehen! Sei leise! Du scheuchst es noch auf. Es schleicht ins Wasser, das... Ja? Das ist kein Tier. Sondern...? Ein romantisches Gefühl. Es könnte auch der Biber sein, der hier die Baumstämme abnagt. Nein, es ist ein romantisches Gefühl! Siehst du sein putziges Fell? Und seine Augen, wie es verträumt durchs Wasser gleitet. Das kann nicht sein. Diese Gefühle sind bei uns ausgestorben. Es stand sogar in der Zeitung. Die Experten vermuten, die Werbung habe sie aus ihrem Lebensraum gedrängt. Die letzten Exemplare wurden in Zoos gesperrt und verfilmt, bis sie elendiglich zugrunde gingen. Unsere Welt ist nichts für die armen Dinger. Ich finde es süss. Du hast recht. Ich habe noch nie so etwas gesehen. Siehst du, wie es sich rausputzt? Ich glaube, es sieht uns. Es scheint keine Angst zu haben. Warum sollte es auch? Schau, es schwimmt zu uns hin! Ich wusste gar nicht, dass die so gut schwimmen können. Es scheint etwas zu wollen. Sollen wir es füttern? Ich habe noch Hundekuchen... hier! Wow. Wow? Deine Finger. Sie sind so fingrigran. Das Wort gibt es doch gar nicht! Dann schenk ich's dir. Danke! Deine sind aber auch äusserst fingrigran. Was ist das da? Die Narbe? Wer hat dich denn so zerkratzt? Das ist schon länger her. Es verheilt nicht recht. Ach so. ... Wo ist es hin? Wer? Das Gefühl. Es hat sich bestimmt im Schilf verkrochen. Warten wir noch ein wenig. Es ist schön hier. Ja. ... ... Ist es dort hinter dem Baum? Du meinst hinter der Weide? Hinter dem Baum dort, halt. Ich sehe nur seine Schnauze. Das ist der Biber. Er wird den Baum fällen. Ja. Ja. ... Ja? Ach nichts. Schon ok. Du kannst es mir sagen. Nein, schon gut. Ist dir kalt? Ein wenig. Dann lass uns weitergehen. Ja. Klar.

152 Nel mio mondo

Beschreibung

Una poesia che lascia spazio alle riflessioni, o tutto o niente.

Beschreibung Ort

In questo luogo non c'è spazio per i giochi, dentro di me solo il bianco e il nero.

Kategorie: Text

Nel mio mondo Ho visto persone lanciare in cielo “Padrenostri” di cristallo nella speranza di non vederli cadere, Quelle persone che dopo lo schianto ne raccolgono le briciole e le gettano in mare. Una vita scritta a matita, così da poterla cancellare. Qui chiudo gli occhi e mi lascio cadere.

154 Der Fussboden der Welt.

Beschreibung

Gedanken in sekundenschnelle schiessen im Kopf wild umher, im grellen Licht, in Momenten vor dem Auftritt.

Beschreibung Ort

Die Bühne des Stadttheaters St.Gallen.

Kategorie: Text

Das Licht blendet von allen Seiten, für einen Augenblick glaub’ ich, ich sei blind. Es ist heiss. Viel zu heiss. Zu heiss um auch nur daran zu denken, es zu wissen, dass ich mich gleich bewegen muss. Richtig bewegen, alles bewegen, von meinen Lippen bis hin zur Zehenspitze. Es müssen hundert Prozent sein. Mindestens. Nicht nur sichtbare hundert, die man in Bewegung und Sprache erkennt. Sondern hundert im Kopf, im Geist, abschweifen ist nicht erlaubt. Jetzt nicht mehr. Das Herz rast, die Hände zittern. Sie zittern vor Aufregung. Jedoch nicht vor einer schlechten Aufregung, nicht so, wie sie vor einer wichtigen Prüfung oder einem unangenehmen Gespräch zittern. Sondern vor Spannung. Vor Freude. Vor einer Vorfreude auf das, was in wenigen Sekunden Wirklichkeit wird. Der Boden ist hart. „Steh immer mit beiden Beinen auf dem Boden, fühle den Boden unter dir, registriere, worauf du stehst.“ Ich seh’ eine schwarze Wand vor mir, die nach hinten immer dunkler wird. Ganz vorn, noch einige Schuhe, Hosen, und Gesichter erkennbar. Die Dunkelheit lässt sie düster erscheinen. Ich versuche mich nicht abzulenken. Hinter ihnen seh’ ich gar nichts mehr. Aber ich weiss es. Ich weiss was sich in dieser Schwärze befindet, der Saal ist voll von der Dunkelheit verschluckter Menschen, die nur darauf warten, nur überhaupt hier sind, um mich, um uns heute zuzusehen. Zuzusehen bei dem was wir ein halbes Jahr erschufen, kreierten für nur sechzig Minuten. Ein konfuser Gedanke, irgendwie. Ich fühle den Boden, das Licht brennt meine Augen nicht mehr ganz so sehr, die Hände zittern immer noch. Kann ich den Text? Wie geht schon wieder mein erster Satz? Ich weiss, dass ich meinen Text kann, ich hab ihn oft genug gekonnt. Trotzdem. Ich höre wie die Tür sich schliesst, sogar die Verspäteten sind jetzt drin. Ich fühle den Boden, den Boden, den ich kenne wie kein anderer, der Boden der Bühne, der Boden vom grossartigsten Platz der Welt. Die Stimmen werden leiser, ich höre eine Frau leise lachen. Lacht sie mich aus? Sie hört sich dick an, sie ist bestimmt eine sehr dicke Frau. Jetzt ist es still. Der erste Satz erklingt, unser Satz, unser Anfangssatz. Und auf einmal ist alles weg. Das Zittern, das Denken, das Starren an die Wand. Ich bin nur noch bei mir. In unserem Stück, in meinen Worten, meinen Bewegungen, von jemand anderem. Ich bin in meiner Rolle. Ich bin frei. Ich bin der freiste Mensch der Welt. Nur hier.

155 Malerisches Aaresang

Beschreibung

Mit Freunden an der Aare

Beschreibung Ort

Kategorie: Text

Malerischer Aaresang Die Dunkelheit hier ist nicht nur schwarz und unbeweglich, das Rauschen des Wassers nicht nur monoton. Alles ist viel lebendiger. Das Schwarz wird von kleinen Flügelschlägen durchbrochen, die Ruhe ab und an von einem Platsch, welches die monotone Abwärtsbewegung des Flusses durchbricht, und natürlich von unseren Stimmen. Man würde nicht sagen, dass der Ort verlassen ist, auch wenn man zu dieser Zeit nicht gerade viele Menschen antrifft. Aber es ist auch kein Ort, wo viele hingehören. Denn gleich zu Beginn des Weges wird unmissverständlich klar gemacht, dass die Bänke dazu da sind, jeweils nur wenigen Menschen auf einmal und in wohl überlegten Abständen Platz zu bieten. Aber ganz alleine würden die meisten da auch nicht hingehen, denn wenn die Dunkelheit hereinbricht, reicht kein Licht und Gesellschaftsgeräusch dorthin. Ausser das schwache Leuchten kleiner Glimmstäbchen und der Klang grünen Glases. Im Schutz der Dunkelheit und des Normenabstandes malen wir Farben. Satte Farben genährt durch unsere Hoffnungen, Wünsche, Ängste … genährt durch ganz allgemeine Dinge. Horcht man jedoch genau hin, hört man die Nuancen fern ab der Allgemeinheit und diese dennoch irgendwie widerspiegelnd. Diese Farben sind nicht nur satt, denn unsere Worte haben auch Klang, nicht nur Buchstaben. Man kann die Farben ganz anders sehen, sie in ihrer ganzen Artenvielfalt erleben. So wie unsere Worte plötzlich ganz anders klingen, unsere Gedanken in einem ganz anderen Ton erscheinen. Obwohl wir verschieden denken, sprechen und es vielleicht auch sind, sind wir zumindest in einem Punkt doch so gleich; wir alle wollen diese Bilder. Wir alle gehen immer wieder dorthin, um irgendwie echter zu leben. Leben heisst mehr zeigen, als man bei Licht zu sehen vermag. Wir sind wie der Fluss. Wenn man genau hinschaut, wenn das Licht nicht blendet, sondern die Nacht einem die Augen öffnet, ist vieles plötzlich da, was vorher nie gesehen wurde.

157 Leuchtwürmchen

Beschreibung

Das ist einer der vielen Texte, die beim Zug fahren entstehen. Ein Plätzchen im Viererabteil eines "ganz normalen" Zugs ist der beste Ort der Welt. Nirgendwo erlebt man mehr. Nirgendwo sonst kann man so abgeschieden und doch so unter Leuten sein. Es gibt keinen "vielfältigeren" Ort.

Beschreibung Ort

Auf den Gleisen dieser Welt...

Kategorie: Text

Ein leuchtender Wurm schlängelt sich durchs Tal. Zielstrebig steuert er ins dunkle Nichts. Das Knistern der Leitung ist zu hören und das Rollen der Räder. Ba-baamm, ba-baamm, ba-baamm. Drinnen sitzen Menschen; eingehüllt in ihre schwarzen Mäntel sehen alle gleich aus. Und doch sind sie so verschieden. Der Lokführer, der sich in der Früh mit seiner Frau gestritten hat. Der alte Mann, der Zeitung liest; die Frau, die an ihren Kaffe denkt. Da ist der Junge, der lieber ausgeschlafen hätte, anstatt mit seiner Familie wandern zu gehen. Das Mädchen, das fast zu spät gekommen wäre; die junge Mutter, das Kind im Arm und Sorgenfalten im Gesicht. Auch dabei ein altes Ehepaar, ergraut sind ihre Haare schon. Gegenüber sitzt ein Mann im Anzug, wohl auf dem Weg zur Arbeit. Eine südländische Familie mit grossen Koffern, drei lauthals diskutierende Jugendliche, ein schmusendes Paar. Dann ist da noch die alte Frau mit ihrem Hund, daneben der betrunkene Strassenpenner. Das Kind mit dem gebrochenen Bein sitzt bei einer schlafenden Dame, davor ein Mann in schwarz, auf dem Weg zur Beerdigung seiner Mutter. Ganz hinten sitzt, einsam und verlassen, der Kondukteur. Es ist heut‘ nicht sein Tag, vielleicht wird er kündigen. Oh, und dort, noch eine Gestalt - hat gestern seinen Job verloren und traut sich‘s nicht daheim zu sagen. All diese Gedanken. All diese Schicksale. All diese Menschen. All diese Gesichter, in denen man so viel lesen kann. Ich bin mitten unter ihnen. Eingehüllt in unsere schwarzen Mäntel sehen wir alle gleich aus. Und sind doch so verschieden. Ein leuchtender Wurm schlängelt sich durchs Tal – die S9, Samstag um halb 6.

158 Ruheinsel

Beschreibung

Was ich fühle wenn ich dort bin.

Beschreibung Ort

Ein grünes Fleckchen im schönen Wattwil. Nichts spezielles - und doch so besonders.

Kategorie: Text

Ich wollte dir schon lange einmal von meinem Stammplatz erzählen. Manchmal besuche ich ihn monatelang nicht, dann bin ich wieder jeden Tag dort. Den Weg kann ich nicht beschreiben, das ist zu kompliziert. Man muss nämlich den Wanderweg langlaufen, dann die Treppe hoch, und dann muss man eine ganz bestimmte Abzweigung finden. Nach ein paar Schritten durch den Wald steht man dann plötzlich oben an einer Schlucht. Naja, es ist keine Schlucht, aber ein Ansatz davon. Wenn du dort bist, kannst du einen Weg nach unten gehen und kommst schliesslich zu einer Brücke. Dort kannst du dich aufs Geländer setzten – es ist sicher und bequem. Unter dir fliesst ein Bächlein, und über dir rauschen die Blätter (im Frühling sind es Knospen, im Sommer ein grünes Meer, im Herbst ist es am schönsten, dann ist alles bunt und das Laub raschelt unter deinen Füssen, und im Winter starren dir kahle Äste entgegen, die aber nie trostlos wirken). Die Sonne scheint durch die Blätter, du spürst den Regen auf deiner Haut, siehst Mondstrahlen oder hörst den Schnee fallen. Ganz in der Nähe steht eine Schule, rechts und links sind Wohnquartiere – aber nichts von all dem kann dich erreichen, dort, auf der Brücke. Du bist umgeben von Bäumen, von Felsen, fernab von jeglicher Zivilisation. Es ist eine Quelle der Entspannung, der Kraft, des Lebens. Das Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft.“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Noch nie habe ich einen anderen Menschen dort angetroffen, es scheint, als gehöre dieser Ort nur mir. Aber er ist nicht ausgestorben, überhaupt nicht. Die Vögel zwitschern, Würmer kommen aus der Erde, ein Käfer krabbelt über meine Hand. Ich wollte dir schon lange von diesem Platz erzählen. Da ist es egal, wie du aussiehst, was du kannst. Nur der Moment zählt, das Heute, und nicht das Morgen und Übermorgen. Dort, zwischen den Bäumen, fühle ich mich wohl. Dort kann ich einfach nur sein.

161 Sexleben

Beschreibung

Ich war in meiner Kantizeit Hauswart im Alpenblick und hatte während etlichen Stunden Rasenmähen, Treppenhaus wischen etc. Zeit, mir Gedanken zu machen. Der Beitrag Thematisiert das Sexleben in einem Wohnblock.

Beschreibung Ort

Alpenblick 10, Winterthur

Kategorie: Text

Sexleben Prickelnd, erquickend, schon fast nervenkitzelnd ist der Cuba Libre, ein Drink für die Liebe, den sich die dicke Frau Wüst durch einen Strohhalm einsaugt. Allein. Das ist im vierten Stock. Sie steht auf Piercings. Er steht auf Frauen. Das Höschen ist nur etwas beiseite gezerrt. So grinst er unter der schräg aufgesetzten Schirmmütze aus seiner gestanzten linken Augenbraue hervor. Beide wollen es so. (2 Stöcke tiefer) 1. Stock, Wohnung Süd: Hinter seinem Laptop kramt ein Mittvierziger soeben nach einem Taschentuch. "Welch schöne Zeit" flüstert sie, während sie sich an ihn klammert geniessen beide den süssen Apfelchampagner. Sie schmiegen sich näher und zart aneinander, berühren sich samtig und mild an den Wangen, im Nacken, am Hals - die Nacht wird nie enden. Sie spüren einander mit glühenden Händen. - vorbei das Ambiente, er grabscht ihre Titten dies alles geschieht auf dem Balkon des Dritten. 1. Stock, Wohnung Nord: steht leer Ebenso der Kopf des moralisch Überkorrekten, wenn diese Zeilen dessen geheime Fantasien beschreiben.

162 Funo

Beschreibung

Begegnung mit Funo auf dem Bäumli.

Beschreibung Ort

Bäumli, Winterthur

Kategorie: Text

Funo Er hatte etwas Interessantes, Undurchdringliches. Seine Art, wie er zu uns kam, inspirierte mich. Die Blätter raschelten. Ich wusste schon ziemlich bald, woran ich war mit ihm. Meine Einschätzung bestätigte sich später. Ich sah sie am Feuer sitzen, einer spielte Gitarre. Nicht der Elektro-Schrott, Chartmusik, Vodka und Birne wegblasen. Trostlose Menschen! Wie ich. Nein, hier war es anders. Er erzählte - wie viele schicksalsgebeutelte Menschen - zuerst von sich selbst. Ein Maler auf Existenzminimum, durch und durch vom Leben malträtiert. Er war emotional und versprühte Charisma. Das Feuer flackerte, unter uns die beleuchtete Nachtstadt. Ich fühlte mich wohl. Ich wollte das Lodern erhalten und bot an, Holz zu suchen. Der Gitarrist kam mit. Ich Idiot! Erzählte ihm von meinem Holzversteck und fand es nicht. Dabei bin ich oft hier. Er hatte ein Glänzen in den Augen. Dass ich ihm zuhörte war für ihn wohl nicht selbstverständlich. Dass ich ihn ernstnahm noch viel weniger. Ich bin oft dort, sammle Kraft und Inspiration. Und gab sie auch weiter? Ich verspührte etwas wie Gemeinschaft. Doch schon bald machten sie sich auf den Heimweg. Nur der Gitarrist blieb noch eine Weile. Dann verabschiedete auch er sich und schenkte mir eine Bratwurst. Danke!

163 Tempo - Drom

Beschreibung

Fiktives Storytelling über die Kartbahn im Block.

Beschreibung Ort

Block 37, Sulzerareal Winterthur

Kategorie: Text

Tempo - Drom Runde I Standard, der rote vor dem blauen Kart, denkt sich Jan, er fährt so schnell er kann. Eine solide Fahrt. Peter auf Position drei wäre lieber ganz vorne mit dabei. Mit angespanntem Gesicht fährt er den Kart und prischt am Reifenstapel vorbei. Runde II Vorne setzt sich Jan ab, hält seine Gegner auf Trab. Doch um Platz zwei ein harter Zweikampf, zwei Gesichter, beide verkrampft, geben gegeneinander Vollgas. Hinter der Spitzengruppe tobt ein Gedränge. Jeder will den Besten dieser hinteren Ränge. Alex gerät ins Schlingern, kein Überholmanöver will ihm gelingen. Auch Robert kämpft mit dem Bremsgestänge. Runde III Peter freut sich, denn Tim hat sich gedreht; diesem bleibt wohl heute ein Podestplatz verwehrt, denn die Verfolgergruppe kommt mit wenig Abstand und zieht vorbei an ihm, denn er steht am Bahnrand und ärgert sich sehr. Jan steuert einem sicheren Sieg entgegen, während seine Konkurrenten noch einmal alles geben. Das Duell um Platz fünf nimmt eine Wende, nach der letzten Kurve behält Markus das bessere Ende und Lars muss Rang sechs in Kauf nehmen. Fazit Gratulation an Jan!

164 De Puls vo Züri

Beschreibung

Ein Text für die die Zürich in ihrem Herzen tragen,ein Stück Heimat für die Ohren

Beschreibung Ort

Züri.Die Stadt am See am Fluss am Berg.So vielseitig wie die Landschaft,in welche Züri eingebettet ist,so vielseitig sind die Gesichter der Stadt.Jeder Stadtkreis trägt seine eigene Geschichte in sich und gibt uns das Lebensgefühl,das wir brauchen.Züri lässt unsere Äuglein glänzen,gibt uns ihren Puls und lässt und aufblühen.

Kategorie: Text

De Puls vo Züri Es isch das Herz vo dere Stadt es isch das Herz wo i mir schlad Ich wot nur Dich jetzt bi mir ha wiso han ich Dich bloss verlah Ich han alles möse zrug la, was ich durch Dich je erläbt ha Bi Tag und Nacht du bisch wunderschön Ich gseh dini tuusig Gsichter verlieb mi immer wieder neu i Dich! Uf 26 Gleis bini zu dir greist kän Weg isch mer zwiit ich verbringe gern die Ziit i diner S-Bahn und vergisse dass i Stress han Kör das Kwitsche vo de Bahne im HB ach wie schöns isch die blau wiis Fahne wieder z´gse Ich lauf durch d´Bahnhofstrass bis zum Alprausch lug der mal ah all die Lüüt im Kaufrausch... Us Liebeskummer gad me am Samstig go schoppe jede vo euch Goldcoast-Lady`s wot sich toppe doch ich mach kän Fruschdkauf gnüss lieber min Gfühlsrausch! Jede Stadtkreis isch en Teil vo dere Gschicht wo i mir lebt kört zu mir blibt bi mir das ich Dich nöt verlür! fahr mit em Zug bis zur Hardbrugg und chaufe mis Brot im Viadukt ich bin än Fan vo Bioprodukt nur die scheiss Prise in Züri sind eifach verruckt Dafür chaf i mini Möbel im Brocki das mag für einigi Fründe en Schock si Doch ich liebe Sache mit Gschicht sie verzellet ihres eignes Gedicht Ich gang in Usgang,wart im Ihgang stundelang bis i ine chan… Du drinksch jetzt nur no cola light isch ja klar gsi susch bassisch nit i das Minichleid Mimi die Gschicht mit em Dani dut mer leid! Di ganzi Nacht han ich im Club verbracht jede Bonz ahglacht i dir es Füür entfacht! flirty flirty ich mags gern dirty dirty chunsch no bi mir verbi uf em Glesli Wi? Am negschde Morge im Starbi es zMorge halt mini Sünde verborge.. Doch bevor i mi bekiff lieber mit em Schiff begriffe das isch mini Stadt da find mis Läbe statt!

170 Celato dalla realtà

Beschreibung

È un racconto breve che narra del luogo in cui preferisco trattenermi, ovvero la mia fantasia.

Beschreibung Ort

Il luogo possiede latitudine e longitudine pari a zero, siccome all'interno della mia fantasia non si devono creare schemi per trovare dove essa si trova.

Kategorie: Text

Chiudo gli occhi e un nuovo mondo mi si affaccia; una terra in cui il male non esiste, gli animali sono al nostro pari e la vita è infinita. La notte non esiste più ed è sempre estate. Serro le palpebre e il verde dei prati invade il mio essere, facendo trapelare unicamente tranquillità; così tanta da venire attirati a terra dalla forza di gravità. Guardo il cielo ed è azzurro, privo di impronte inquinanti e pieno di dolci augelli cinguettanti. Tendendo bene l’orecchio si ode la dolce melodia creata dalle loro casuali vibrazioni. Sulla pelle si percepisce il calore del sole scaldare ogni più piccolo poro, accompagnato da una soave brezza ogni volta che si sta per pensare “devo spostarmi, ora fa troppo caldo”. Questo venticello trasporta una fantastica miscela di profumi, raccolti da migliaia di fiori trovati sulla strada percorsa per raggiungerci. Lo scrosciare del ruscello che innaffia l’intero pianeta produce freschezza, melodia, e profumi. Tutti quanti vengono aggiunti alla moltitudine di bellezza che invade ogni nostro senso. In questo posto perfetto ci si può rimanere per anni, senza dover mangiare, bere, svuotare o dormire. La vita scorre insaziabile di felicità, ma ripiena dei bisogni umani primari. Aprendo i bulbi oculari si torna alla quotidianità. Rivedo il prato giallognolo in cui mi trovo, sento il fracasso delle automobili, le urla di persone stressate, la puzza si smog ed un freddo devastante che entra fin nelle più profonde viscere. Lo stress quotidiano mi fa tornare alla realtà, sperando vanamente in un nuovo mondo fantastico. Oramai è inutile fantasticare su chiare utopie, giacché la nostra sfera vitale un giorno morirà. Proprio in quel giorno il sole si spegnerà e con esso pure ogni minima forma di vita esistente nell’intero raggio dell’universo, ogni essere vivente presente su qualsiasi pianeta che esisteva grazie all’utilizzo dell’energia solare. Come si può credere che un posto terrestre possa divenire il proprio spazio preferito? Certamente in nessun luogo ci si trattiene meglio che nella propria fantasia.

175 Impulsi d'Amore

Beschreibung

È un racconto breve che narra del luogo in cui preferisco trattenermi, ovvero il cuore del mio Amore.

Beschreibung Ort

Il luogo possiede latitudine e longitudine pari a zero, siccome all'interno del corpo del mio ragazzo non si devono creare schemi per trovare dove si trova il suo cuore.

Kategorie: Text

Percepisco due strane strade che partono dal posto in cui preferisco trattenermi: una è una grande circolazione, mentre l’altra è più piccola. In questo luogo non c’è inquinamento, giacché le vie vengono percorse da sangue venoso e, rispettivamente, da quello arterioso. Effettivamente da questo luogo partono e arrivano le sostanze che permettono all’uomo di rimanere in vita. Valvole e ventricoli mi circondano, ma trovo che essi riescano a farmi comprendere l’amore che prova per me il mio ragazzo, giacché pompano continuamente l’essenza del nostro affetto. Quando noi amanti ci incontriamo avviene in noi una sorta di moderata tachicardia, in effetti, al nostro interno, accade un’accelerazione del battito del cuore; il cuore in cui mi trovo io. In questi momenti, quando provo ad immergermi all’interno del suo più importante organo vitale, è come se fossi in una gara di velocità. Dal fracasso pare essere in discoteca, siccome l’unico suono percepito a gran voce è pupum pupum, ripetuto all’infinito; dalla velocità sembra d’essere in una gara di macchine, dal lavoro compiuto dalla dopamina assomiglia di essere all’interno di un cocktail di sostanze stupefacenti. Adoro trovarmi nel cuore del mio Amato, siccome posso regolare le sue emozioni, il suo stato di vita e di morte. Quando mi trovo lì, mi sento come fossi il Supremo, con la capacità di modificare il destino dell’esito vitale di un’anima non ancora condannata. Spesso mi chiedo se l’amore che prova per me non sia creato dallo stesso ardore che io provo per lui, proprio come disse il Sommo poeta trecentesco, ma subito dopo capisco che i sentimenti provati l’uno per l’altra derivano unicamente da impulsi nervosi con origini ancora indefinite. Ma allora il mio posto preferito non esiste. Ma allora è unicamente derivato da impulsi nervosi creati da altri e che ne creano altri ancora. Ma allora non esisterà mai un posto così nemmeno nella mia più recondita fantasia.

184 Neben dem Fenster

Beschreibung

Jeder an der Kanti weiss, wo er mich suchen muss: In der Ecke, hinter der Eingangstür, dort ist mein Platz.

Beschreibung Ort

Die "beste" Schule, meine beste Schule, die Eingangshalle Kanti Wattwil, die das Lebensgefühl der ganzen Schule wiederspiegelt.

Kategorie: Text

Die Kanti Wattwil. Viele nennen das Gebäude aus Beton abschätzig „Kristall“. Ich sehe das anders. Von aussen mag das Haus an der Näppisuelistrasse nicht jedem Geschmack entsprechen. Aber das, was man innendrin erleben kann... Das überstrahlt an Schönheit sämtliche architektonischen Missgeschicke. Wenn ich in meiner Ecke sitze – am Fenster, gleich neben der grossen Eingangstür – kann ich so allerlei beobachten. Ein gehetzter Lehrer macht letzte Kopien für den Unterricht. Zwei seiner Kollegen gehen lachend ins Lehrerzimmer, vielleicht haben sie eine Freistunde. Ein Junge kommt in mein Blickfeld, er zieht ein Mädchen hinter sich her. Sie verschwinden hinter einer Säule. Irgendjemand spielt Gitarre. Dann wird alles still. Ich spüre die kühle Scheibe an meiner Wange. Es zieht, die Fenster sind seit eh und je schlecht isoliert. Nach und nach kommen ein paar Schüler die Treppe herunter, Brotpapiere rascheln, die WC-Tür geht auf und zu, der Kaffeeautomat brummt. Mit der Zeit füllt sich die Halle, irgendwann läutet die Schulglocke die Pause auch offiziell ein. Es bilden sich Grüppchen, Schülertrauben. Manche stehen auch alleine rum, blicken suchend um sich oder kramen in ihrer Tasche. Die Halle leert sich allmählich, zurück bleiben Brotkrümel und leere Pet-Flaschen. Ich lerne ein paar Englischwörter, dann höre ich Musik und starre Luftlöcher. Die grünen Plättchen wirken beruhigend auf mich. Stunden später werden die Schüler wieder in die Eingangshalle strömen und sich dann auf die Strasse ergiessen. Sie werden lachen und schwatzen und sich auf den Heimweg machen. Ich werde dann immer noch hier sitzen, auf meinem Plätzchen gleich am Fenster, und ihnen zugucken. Ich gucke ihnen gerne zu. Ich sehe das Leben in ihnen. Das ist Schönheit. Junges Leben. Ich selber werde die Kanti erst verlassen, wenn der Abwart abschliessen will. Denn ich bin gerne hier. Ich fühle mich geborgen. Hier gehöre ich hin. Es ist mein Zuhause. Meine Schule. Meine Eingangshalle. Mein Stammplatz.

185 Neben dem Fenster

Beschreibung

Jeder an der Kanti weiss, wo er mich suchen muss: In der Ecke, hinter der Eingangstür, dort ist mein Platz.

Beschreibung Ort

Die "beste" Schule, meine beste Schule, die Eingangshalle Kanti Wattwil, die das Lebensgefühl der ganzen Schule wiederspiegelt.

Kategorie: Text

Die Kanti Wattwil. Viele nennen das Gebäude aus Beton abschätzig „Kristall“. Ich sehe das anders. Von aussen mag das Haus an der Näppisuelistrasse nicht jedem Geschmack entsprechen. Aber das, was man innendrin erleben kann... Das überstrahlt an Schönheit sämtliche architektonischen Missgeschicke. Wenn ich in meiner Ecke sitze – am Fenster, gleich neben der grossen Eingangstür – kann ich so allerlei beobachten. Ein gehetzter Lehrer macht letzte Kopien für den Unterricht. Zwei seiner Kollegen gehen lachend ins Lehrerzimmer, vielleicht haben sie eine Freistunde. Ein Junge kommt in mein Blickfeld, er zieht ein Mädchen hinter sich her. Sie verschwinden hinter einer Säule. Irgendjemand spielt Gitarre. Dann wird alles still. Ich spüre die kühle Scheibe an meiner Wange. Es zieht, die Fenster sind seit eh und je schlecht isoliert. Nach und nach kommen ein paar Schüler die Treppe herunter, Brotpapiere rascheln, die WC-Tür geht auf und zu, der Kaffeeautomat brummt. Mit der Zeit füllt sich die Halle, irgendwann läutet die Schulglocke die Pause auch offiziell ein. Es bilden sich Grüppchen, Schülertrauben. Manche stehen auch alleine rum, blicken suchend um sich oder kramen in ihrer Tasche. Die Halle leert sich allmählich, zurück bleiben Brotkrümel und leere Pet-Flaschen. Ich lerne ein paar Englischwörter, dann höre ich Musik und starre Luftlöcher. Die grünen Plättchen wirken beruhigend auf mich. Stunden später werden die Schüler wieder in die Eingangshalle strömen und sich dann auf die Strasse ergiessen. Sie werden lachen und schwatzen und sich auf den Heimweg machen. Ich werde dann immer noch hier sitzen, auf meinem Plätzchen gleich am Fenster, und ihnen zugucken. Ich gucke ihnen gerne zu. Ich sehe das Leben in ihnen. Das ist Schönheit. Junges Leben. Ich selber werde die Kanti erst verlassen, wenn der Abwart abschliessen will. Denn ich bin gerne hier. Ich fühle mich geborgen. Hier gehöre ich hin. Es ist mein Zuhause. Meine Schule. Meine Eingangshalle. Mein Stammplatz.

187 Spaghetti-Island

Beschreibung

Die tragische Liebesgeschichte von meiner Freundin Train Jane.

Beschreibung Ort

Spaghetti-Island, der leckerste Ort in der ganzen Welt.

Kategorie: Text

Ich bin verrückt nach essen, deshalb ist mein Lieblingsplatz Spaghetti-Island. Dort ist jedes Haus ein italienisches Restaurant, komplett mit einer Grossfamilie mit bis zu dreissig Leuten und alle diese Restaurants sind durch Zugschienen verbunden. Aber wisst ihr, egal wie perfekt ein Ort ist, es gibt immer einige Leute, die das nicht zu schätzen wissen. Nimm zum Beispiel meine alte Freundin Train Jane. Train Jane war verliebt in einen jungen Mann, namens Railway Robert, der auf der anderen Seite der Insel wohnte. Das Problem war, niemand auf Spaghetti-Island hatte je Weichen erfunden. Wenn man jetzt also von Train Janes Restaurant (Binos) zu Railway Roberts Haus wollte, musste man bei jedem anderen Restaurant auf dem Weg anhalten (davon gab es drei: Ninos, Pinos und Pizza Mario) und da umsteigen. An jedem Bahnhof begrüsste einem der Bahnhofsvorsteher, welcher immer die Nonna des jeweiligen Restaurants war, die zu alt war, um in der Küche zu arbeiten und deshalb die Gäste begrüsste und versuchte, einem in ihr Restaurant zu locken, um das gute Essen zu probieren. Und wenn man ein junges Mädchen war, so wie Train Jane, versuchte die Bahnhofsvorstehernonna einem garantiert mit dem süssen Dario zu verheiraten oder Cousin Giovanni, der „die beste Carbonara auf der Insel machen, wenn nicht auf der ganzen Welt.“ Wenn jetzt also Train Jane frühmorgens in den Zug stieg, musste sie Brioche bei Binos, Gnocchi bei Ninos, Papardelle bei Pinos und Pizza Funghi bei Pizza Marios essen. Und die Züge hatten immer Verspätung, weil die Lokführer bei jedem Bauernhaus auf dem Weg noch einen Aperitivo nahmen, um zu erzählen, dass Train Jane jetzt zu Railway Robert fuhr und was für Skandale das zur Folge haben würde. Aber die Bauern meinten, das wäre doch eine schöne Sache, weil dann jeder auf der Insel zu der Traumhochzeit eingeladen würde. Und so stritten die Lokführer leidenschaftlich mit den Bauern bis es zum Schluss drei Uhr morgens war, wenn Train Jane endlich, todmüde und überfressen, in Railway Roberts Arme fiel. So dauerte die Romanze viele, viele Jahre, bis die Beiden endlich mit grossem Trara im Alter von 63 heirateten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Train Jane die Nase so gestrichen voll von dem Prozedere, dass die beiden beschlossen, nach Japan zu ziehen, weil es da den Monorail gibt und überhaupt, irgendwann hat man einfach genug vom italienischen Essen.

191 Lì, un'altra volta

Beschreibung

Spesso il nostro ritrovo è anche grande sinonimo di delusioni, cuori affranti e dispiaceri. Ma nonostante tutto ciò, ci restiamo affezionati e non lo cambieremmo mai e poi mai.

Beschreibung Ort

Kategorie: Text

È notte inoltrata. Fa freddo nonostante sia iniziata la primavera. L'inverno non si arrende e non vuole lasciare spazio alla stagione prediletta allo sbocciare degli amori. Ma freddo e buio non è soltanto il clima, anche il tuo cuore è nella stessa situazione. Lì, un'altra volta. Ancora non te ne raccapaciti: doveva esser soltanto una serata in compagnia tra amici, e soprattutto, amiche. E invece guarda come sei ridotto. Lì, sul ciglio della strada, a infilarti casco e guanti tremando, proprio davanti a quel ritrovo simbolo dei tuoi sogni e progetti delle ultime lunghe notti. Fai per accendere lo scooter, ma fatica ad ingranare, proprio come te. Dopo vari tentativi finalmente parti, mentre una pioggerellina gelida, mista a qualche fiocco di neve portato dal vento, ti bagna la visiera. Essa ben presto si ricopre di goccioline che colano verso il basso, quasi a sostituire quelle gelide lacrime salate che a stento trattieni, ma che vorresti lasciar scivolare sulle tue guance con la speranza di liberarti di questo peso opprimente. Nelle orecchie gli auricolari dell'iPod sono a massimo volume, quasi da stordimento, sulle note di malinconiche canzoni d'amore. Però, mentre sei in viaggio verso casa, il tuo cuore non ti sta seguendo. Ha lasciato ricordi, pezzi d'anima disseminati ovunque nei pressi di quel maledetto bar. Lì, un'altra volta. Su quelle scomodissime ma uniche sedie, sugli arrugginiti sgabelli del bancone, su quei tavoli di legno impregnati del sapore di mille serate tra amici, di mille battaglie e di mille litigi, ma anche di mille sguardi innamorati riflessi in quegli sporchi vetri. Quella musica rock che continua imperterrita nel suo discorrere, quelle televisioni appese ai muri, fedeli compagne di centinaia di partite, centinaia di vittorie, centinaia di sconfitte. Gli strampalati personaggi assidui frequentatori del locale, l'amichevole proprietaria. Quel bacio dato, quel contatto mai avvenuto, quella stretta di mano sincera, quell'abbraccio amaro. Quell'amore appena sbocciato, quell'amore invece mai nato. Lì, un'altra volta.

195 lieblingswelt.

Beschreibung

Alle Menschen sind irgendwo auf der Welt. Alle Lieblingsplätze sind auf dieser einen Welt. Sie ganz zu kennen, unmöglich. Möglichst viele Lieblingsplätze zu sehen, ewiger Wunsch.

Beschreibung Ort

ein ort von aller welt. aber nicht die welt.

Kategorie: Text

Ich fühl mich, Pudel wohl. Gestern und Morgen. Immer wieder. Immer anders. Immer wo anders. Mein Lieblingsplatz; die Welt. Sie ist gross. Sie ist schön. Sie ist immer.

201 Stühle machens aus

Beschreibung

Dieser Beitrag soll in möglichst kreativer Art die Schönheit und Behaglichkeit meines Stammplatzes vermittlen, nicht zu letzt aber, auch die meine Inspiration bezüglich meines Stammplatzes vermitteln.

Beschreibung Ort

Der Ort meiner Inspiration ist die Terasse vor unserem Haus auf der die gemütlichsten Stühle der Welt zu finden sind. Der Quell meiner Inspiratuion (Terasse) ist auf der Ostseite unseres Bauernhauses im Vallon de St-Imier, im Berner Jura.

Kategorie: Text

Natürlich ist es naheliegend das mein Stammplatz die gemütlichsten Stühle der Welt beherbergt, denn wenn er es nicht täte wäre die Wahrscheinlichkeit gross, dass eben dieser so inspirative Ort- der im Grunde lediglich die Terasse vor meinem Elternhaus ist- gar nicht mein Stammplatz wäre. Es ist nun aber tatsächlich der Fall das auf eben dieser ach-so-tollen Terasse zwei unheimlich gemütliche Korbstühle, oder viel mehr Korbsessel, und ein verschmutzer blau-gelber Campingstuhl- der mit wertvollen Erinnerungen beladen ist- stehen. Die Terasse ist gerazu schlicht, doch im menschlichen bestreben etwas individuelles und besonderes aus ihr zu machen, droht sie beinahe unter zu gehen. Sie mit Blumentöpfen, Tischen, Sonnenschirmen, sogar einem Ofen und nicht zuletzt mit den tollsten aller Stühle zu beladen, scheint fast eine Zumutung denn in ihrer originalen, originellen und eben schlichten Art ist sie ja doch am schönsten und behaglichsten. Ein paar Blumentöpfe der Ofen und die besten aller Stühle würden längst zur zierde dieses Ortes reichen, der eigentlich im Grunde gar keine Verzierung nötig hat. Diesem Ort, oder zumindest der Terasse an diesem Ort, wurde das grosse Glück zuteil, auf der Ostseite des Hauses erbaut worden zu sein und somit jeden Morgen aufs neue von den ersten Sonnenstrahlen wach gekitzelt zu werden. Es ist wirklich das schönste, das erwachen des Tages von dieser Terasse aus mitzuerleben, zu sehen wie sich die Sonne über den Wald erhebt und das Tal unter ihr in frisches blasses Licht taucht. Ja, diese Terasse gibt nähmlich den Blick auf ein halbes Tal frei, doch nicht nur dass, nicht weit von der Terasse entfernt ist ein Teich, umgeben von einem kleinen Hain mit Apferlbäumen. Weiter Tal abwärts kommen Felder, Wiesen, Hecken, Bäume, links oben eine Srasse, ein Dorf und weiter unten noch ein Dorf. Als ob das alles noch nicht genug wäre ist das Tal auch noch von einem Bach durchzogen der es ziemlich genau in der häfte halbiert. Dies alles ist von meinem Stammplatz, der Terasse in Mitten der idyllischen Landschaft, aus zu sehen. Zu geniessen ist es für mich jedoch nur wenn ich mich in einen dieser wundervollen Stühle kuscheln kann. Es ist nicht gerade so das ich das einzige Lebewesen bin das auf dieser Terasse sein Unwesen treibt. Lauter rote Schildwanzen, verschiedenste Käfer, Spinnen und Mücken tummeln sich zwischen und auf den grossen Bodenplatten und machen mir meinen Stammplatz streitig. Ich empfinde diese Tierchen jedoch nicht als störend, im Gegenteil scheinen sie geradezu der Vollendung der Lebendigkeit und Schönheit dieser perfekt unperfekten Terasse, meines Stammplatzes, zu dienen.

213 An der Limmat

Beschreibung

Vor Alltagshektik und ruhigem Wasser, fliegenden Gedanken und dem Untergehen.

Beschreibung Ort

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Rennen, schnell, ankommen wollen, laufen, vorbeilaufen. Dabei liegt er hier, der schönste Platz der Welt und geht unter in der Eile, das Rauschen der Wellen verliert sich in der Hektik und ich verschwinde in der Hast anderer Leute aus meiner eigenen. Sobald ich das metallene Gitter öffne, steht die Zeit still. Das Wasser fliesst dabei weiter und verliert sich irgendwo, verschwindet aus meinem Blickfeld und neues Wasser strömt, rauscht und übertönt den ganzen Stress, der hinter mir, über mir auf dem Trottoir vorbei fliesst, ich irgendwo zwischen treibenden Ästen im Fluss und Alltagstreiben – verloren und glücklich. Hier an der Limmat kann ich stundenlang sitzen, in ein Buch vertieft oder in Gedanken versunken wie die Steine am Flussgrund im Wasser. Weit weg in ferne Welten getragen, höre ich weder das leise vor mir plätschernde Wasser noch das laut hinter mir wogende geschäftige Treiben, und merke auch nicht, wie letzteres mit einbrechender Dunkelheit langsam verklingt und das Wasser geräuschlich Überhand nimmt. Ich bin in meiner eigenen Welt, abgeschnitten von allen andern, denn sie sehen mich nicht, sie rennen vorbei, erkennen nicht, dass das Gitter ein Tor ist, ein Tor in eine bessere Welt, in eine ruhigere, besondere Welt. Hier ist mein ganz persönlicher Flughafen, mein Abflugsort in andere Welten, in Gedanken, die mir alleine gehören und die ich höchstens über einen Kugelschreiber mit einem Blatt Papier teile. So wie diese hier.

214 Nachtwasser

Beschreibung

Wenn die Nacht leise plätschert und die fernen Laternen zu neuen Lebenslichtern werden.

Beschreibung Ort

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Zwischen Spätfrühling und Frühherbst sitze ich oft bis lange nach dem Eindunkeln hier unten am Wasser. Während es um mich herum dämmrig wird, erkenne ich mein Spiegelbild immer undeutlicher, die Konturen verschwimmen am andern Ufer und trotzdem scheint es drüben heller zu werden. Das künstliche Licht der Dörfer hebt sich immer deutlicher von dem sich schwärzenden Nachthimmel ab. Meine Gedanken werden von diesem Anblick gefangen, Fragen beginnen sich darum zu ranken, meine Fantasie schlägt Wellen und doch sitze ich hier wie gefesselt. Bestimmt wartet da drüben das Glück auf mich, das Land, in dem Milch und Honig fliessen! In meinen Gedanken beginne ich meine Lebensgeschichte zu spinnen, wie sie wäre, wenn ich da drüben sein könnte. Ich webe strahlende Freunde hinein, sonnige Gefühle, himmelblau klares Lachen, immer neue Fäden. Je dunkler es um mich herum wird, je unschärfer die Umrisse werden, desto heller scheint das Licht am anderen Ufer und desto farbenfroher wird mein Ideenstrang. Bis ich einen Augenblick zu lang blinzle, das Licht sich aus meinen Augen verliert und ich plötzlich wieder hier sitze. Eine einsame Mücke schwirrt um mich, das schwarze Wasser hat etwas fast bedrohlich Schönes und ein kühler Wind streift meine Arme, die Härchen richten sich auf als reckten sie sich gegen Himmel. Ich blicke hinauf in die weite, schwarze Wolkenlosigkeit. Just in dem Moment treibt ein Licht am Himmel vorbei, eine Sternschnuppe. Und mit einem Mal wird mir klar, wie glücklich ich hier doch bin. Denn zu wünschen fällt mir nichts ein.

216 Wasser

Beschreibung

Ode an den nächtlichen Lac Leman

Beschreibung Ort

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weisser Schaum und schwarze Nacht Wellen unsichtbar Sterne am Himmel und blinkendes Licht Flugzeug fliegt nasser Kies und leises Glucksen Enten unklar Stadt am Wasser und bewegender Schein Schiff gleitet sitzen am Ufer und warten auf nichts Innerer Frieden

224 Der Überzug

Beschreibung

Mit meiner Grossmutter.

Beschreibung Ort

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Sitzend sah ich mir das Gesicht meiner Großmutter an, der jeden Tag bleicher wurde. Ich war zu jung um zu verstehen, wie schlimm es wäre sie zu verlieren. Von meinen Eltern wusste ich auch nichts. Wir waren arm, aber zum essen war es immer genug da. Ich ging zur Schule die ich überhaupt nicht mochte, meine Großmutter fand ich interessanter. Jeden Abend erzählte sie mir von ihrer Jugend und hielt mich auf ihren Knien. Sie saß auf einer Fußstütze die unsere Nachbarin wegwerfen wollte. Den Überzug hat sie selber gestrickt. Das war unser Platz, die schönste Ecke des Zimmers. Sie war selten im Dorf, aber da ich nie mitkommen durfte schien es mir zu oft. Ich wartete immer auf diesen Überzug und machte meine Hausaufgaben. Wenn sie dann später zurückkam war es wie eine Festlichkeit, sie umarmte mich ganz fest, als wäre es zum letzten Mal gewesen. Eines Tages als ich von der Schule zurückkam war die Eingangstür schon offen. Unserer Nachbarin liefen Tränen über ihre Wangen. Meine Großmutter habe ich nie wieder gesehen. Mein Koffer war schon bereit, ich musste weg aber ich wusste nicht wohin. Nach wenigen Schritten drehte ich mich um, denn ich hatte etwas wichtiges vergessen. Ich rannte zurück ohne meinen inneren Schmerzen Acht zu geben. Wieder saß ich auf diesen Überzug, als würde ich auf die Großmutter warten. Ich wurde wieder weggebracht. Den Überzug nahm ich mit. Noch heute ist es die schönste Erinnerung die ich habe.

225 Das kleine Haus am grossen Hang.

Beschreibung

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Beschreibung Ort

Kleines, altes Ferienhaus in Molare, TI, an der Strada alta.

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Auf beiden Seiten umkranzt von gewaltigen Bergen, von welchen wir in grosser Anstrengung einmal einen Zwischenboden erwandert haben, steht das kleine Haus, mitten im Hang. Hier wird es - dunkelt es - schwarz, wage ich mich nach draussen, höre ich kläffende Hunde und das Rauschen des Wasserfalls, der sich im nahen Wald versteckt. Sonst Stille, erdrückt mich ein sternenbehangener Himmel. Morgens dann, nach der nachtschwarzen Nacht, weckt mich eine Herde schwarzer Ziegen unter dem Fenster, aus dem Schlaf eines tiefen Traumes, den ich bereits vergessen habe. Tagsüber streif ich durch die Wiese, suche nach Blumen und Pilzen mit dem Naturkunde-Bestimmungsbuch in den Händen. Frauenmantel, Schirmpilz, .... & stelle mir vor, welche Kräuter Magenschmerzen mildern, welche für das Blut gut seien, schaue sie mir an und freue mich über das jahrhundertealte Wissen, das einem auch hier in den Bergen rettete, im Fall der Fälle. Immer auch die Tage, da wir, wir die vorübergehend und ferienhalber das kleine Haus bewohnen, ins Dorf hinunter steigen, uns den engen steilen Weg hinunter tasten. Im Herbst wandern wir dabei auf kleinen stacheligen Kugeln, drücken aus ihrem Innern die Früchte, die uns undankbar picksen, doch so gut schmecken. Der Bergort, mein Lieblingsort, ist Sammelort, so dass in meine Tasche – neben den Kastanien – auch von der Sonne weiss gebleichte Schneckenhäuschen wandern, eine Vogelfeder, Äpfel im Herbst. Dann weiter und vorbei an den Heiligenbildern an Häusern und kleinen Kapellen, hören wir nun die grosse Autostrasse. Angelangt im Tal gibt es wieder Zeitungen, Milch Reis, Pelati aus der Büchse, einen Kaffee auf dem Dorfplatz, der neben der Autostrada liegt. Alte Männer sitzen an den Tischen nebenan. Obwohl ich ihre Sprache spreche, verstehe ich sie nicht. Zu undeutlich sind ihre Worte, die ihren Platz neben der Zigarette im Mundwinkel finden müssen. So dass nur sie selbst wissen, wovon sie sprechen, hier in diesem Ort im Tal, der einmal gross war – davon erzählen die hohen stattlichen Häusern, die unzähligen nun leerstehenden Hotels – als man noch langsam von Norden nach Süden reiste. Mit den mit Nahrungsmitteln gefüllten Taschen & Rucksäcken warten wir auf den Bus, der uns wieder hochbringen soll, zum kleinen Haus, den Hang hinauf. Vorbei an tausend Kirchen und Dörfchen. Die ewige Zickzackstrasse entlang.

227 Stammplatzmorgen

Beschreibung

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Beschreibung Ort

Auf dem blauen Zugsessel von Zürich nach Bern.

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Zwischen 2 Städten fahr ich in schläfriger Morgensonne, Schienenrattern, Kaffeegemurmel. Jede Woche einmal, zweimal, Zürich - Bern. Pappbecherkaffee vor mir auf der Ablage, den Kopf ans Fenster gelehnt, Knie angezogen und gegen das Tischen gedrückt sitze ich bequem auf der linken Seite des Ganges, Fahrtrichtung rückwärts. Blinzle nach draussen. Dunstig himmelblauer Himmel, blühende Bäume ziehen vorbei und vorbei. Zwei ältere Frauen ein paar Sitze hinter mir erzählen sich von ihrem Waschtag gestern, dem geplanten Wandertag heute, dem dafür mitgenommenen Proviant. Die Reisenden im Abteil vis à vis, vermutlich beim Flughafen eingestiegen, sind braungebrannt, die Sonnenbrille unverändert auf der Nase, bunte Tücher um den Hals gewickelt. Ihre Stimmen plätschern auf und ab in immer demselben geschwätzigen Tonfall. Besprochen wird der eben überstandene Flug, das Schweizer Wetter gemustert und kommentiert, zum Glück scheint die Sonne heute, sonst wären sie doch lieber... Der Zug quitscht und schaukelt so vor sich hin, als hätte auch er etwas Wichtiges zu sagen. In den blauen Sitz gelehnt, noch immer schläfrig, tu ich nichts ausser Fenster-kucken und warten darauf, dass der Tag mit der Ankunft des Zuges seinen Anfang nimmt. Jetzt aber sitze ich noch in der Auszeit, im luftleeren Raum einer Morgenstunde, zwischen 2 Städten gespannt. Sammle grüne Wiesenblicke, zähle Regentropfen, nippe am Pappbecherkaffee, denk mir erfundene Worte aus. Dann rauscht die Ansage, aufgezählt werden die Orte und Städte, in deren Bahnhöfe der Zug noch fahren wird. Papiere knistern, Kleider rascheln, Taschen werden aufgehoben. Ich zerknülle den Pappbecher und reihe mich ein in die Aussteigenden, in den Tag.

232 Erinnerung an eine Fliege

Beschreibung

Der Waldrand und der Grossvater - zwei Dinge, die zu jedem Dorf gehören.

Beschreibung Ort

Nahe der neuen Autobahn N4, am Waldrand von Zwillikon (ähnliche Gegenden sind überall zu finden, wo Agglomeration auf Kaff trifft).

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Auf meine Frage hin versicherte mein Grossvater, dass er nicht so bald sterben werde. Zitternd fuhr er mit dem Stock durch den Kiesweg, der sich nach oben zum Wald hinaufschlängelte. Grossvater keuchte und fuhr unablässig mit einer Hand über seine eingefallene Wange, als würde er die Erinnerung an eine Fliege nicht mehr loswerden. Ich hasste es, mit Grossvater zu spazieren. Ich wusste nicht, wie man mit ihm reden sollte. Er gab mir oft das Gefühl, als würde ich ihn in irgendetwas unterbrechen, auch wenn ich nie wusste, worin, ausser in seinem melodiösen Atmen. Als wir oben angelangt waren, setzten wir uns auf eine Bank am Waldrand, wo wir das ganze Dorf überblickten. Grossvaters Augen sahen es nicht, sie sahen nur die Veränderungen. Die Autobahn. Dieses Haus da, das stand vor zwanzig Jahren noch nicht und es gab einen Fluss am Rand der Gemeinde, wo sich die Jungen der Nachbarsdörfern zu Schlägerein zusammenfanden. Ich stellte mir vor, wie Grossvater - mit Gehstock bewaffnet und hohlen Wangen - andere Greise verprügelte. Er brach einem alten Mann die Kniescheibe und einer Greisin schlug er das Gebiss aus dem Mund. Irgendwie stellte ich mir nie das vor, was ich mir hätte vorstellen sollen. Dann trat wieder eine durchkeuchte Stille ein und ich verfluchte meine Eltern dafür, mich mit Grossvater losgeschickt zu haben. Der Stock kratzte im Kies. "Grossvater?" "Ja?" Hatte er mich tatsächlich gehört? "Gefällt es dir hier?", fragte ich ihn. Er grummelte und fuhr sich mit der Hand über die hohle Wange. Er nickte, vielleicht brach aber auch nur ein Wirbelknochen im Nacken. "Ich kam oft hierher, früher", sagte er, während sich sein Satz, der heute begann, in Jahrzehnten der Vergangenheit verlor. "Ist das hier dein Stammplatz?", fragte ich. "Nein", antwortete er, sein Stock fuhr strafend durch das Kies, vielleicht hatte er mich gar nicht gehört und es war nur das Brummen seines Magens.

234 Von links nach rechts

Beschreibung

Wartezeiten zeichnen Haltestellen aus und deshalb lieben wir sie.

Beschreibung Ort

Haltestelle Stoffelbach der BDWM-Bahn in Dietikon.

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Von Dietikon kenne ich nur einen Ort genau: Die Haltestelle einer lokalen Bahn, die sich aus dem Aargau ins getthoide Zürcher Limmattal hineinschlängelt. Das Problem mit der Bremgarten-Wohlen-Bahn ist, dass man sich nie ganz sicher sein kann, wann sie kommt. Aus unerfindlichen Gründen hat die Bahn zwei, sieben, fünf Minuten Verspätung oder fällt ganz aus und nie würde jemand nach genaueren Gründen fragen. Das ist nur auf den ersten Blick und für den ungewohnten Pendler ein echtes Problem, in Wirklichkeit kann man ganz gut damit Leben. Ich habe ewige Zeiten damit zugebracht, den Blick von links nach rechts schweifen zu lassen, um das Bild der Station möglichst lange im Gedächtnis einzuprägen. Ein silberner Abfalleimer, der nach Banane stinkt, eine Holzbank mit verschiedenen eingeritzten Initialen, die bei langem Studium ein System aufzuweisen scheinen. Wasserabstossendes Plexiglas, angeräuchert. Ein Knopf, um den Halt der Bahn zu fordern. Nach Belieben zwei oder drei Pendler hinzugefügt, bevorzugt rauchend und mit geduldig schimmernden Augen wie die eines alten Mannes, der aufs Meer hinausblickt. Manchmal ein oder zwei nervöse Neulinge, die regelmässig einen sehnsüchtigen Blick auf die Uhr werfen und einen wütenden in die Richtung, aus der sie den Zug erwarten. Meistens war ich aber alleine da. Wenn ich Glück hatte, las ich hier im Regen, Bakunin, Dostojiweski, Murakami oder Wilde oder ich hörte Musik. Wenn ich Pech und alle diese Dinge zu Hause vergessen hatte, liess ich den Blick von links nach rechts schweifen, mit beunruhigender Geduld alle Gegenstände für immer in den Schädel einprägend. Ich werde diese Gegenstände nie vergessen und nie die Stimme, die Verspätungen verkündet. Aber ich werde weiterhin in der Nacht, am frühen Morgen, zur Mittagszeit dortstehen, im Regen oder in der Sonne und mit dem Chauffeur einen vielsagenden Blick tauschen, wenn er in die Station einfährt. Denn wir sprechen die Sprache des öffentlichen Verkehrs, die geduldigste Sprache der Welt.

235 Das Café an der Ecke

Beschreibung

Die Geschichte handelt von meinem Stammplatz und einem ganz besonderen Menschen, den ich dort traf: Herr Müller

Beschreibung Ort

Kleines gemütliches Café in einem Dörfchen im Toggenburg.

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Herr Müller sass immer dort. Egal an welchem Wochentag man im Café an der Ecke vorbeischaute, Herr Müller war da. Ganz hinten am runden Tischchen sass er, die Tageszeitung vor sich ausgebreitet, neben ihm eine Kanne Kaffee. Ab und zu las er in der Zeitung und nahm gelegentlich einen Schluck Kaffee, meistens aber sass er regungslos dort und starrte geradeaus. Nicht nur das Personal wusste, dass der Tisch ganz hinten in der Ecke Herrn Müllers Tisch war – auch dem ganz Dorf war das bekannt und seit ich denken kann, hatte sich noch nie jemand getraut, sich an diesen Tisch zu setzen. Nicht weil Herr Müller etwa böse wäre oder unangenehm riechen würde, nein, dass man sich nicht an diesen Tisch setzte, war wie eine ungeschriebene Regel. Natürlich kannte auch ich Herr Müller, wenn auch nicht besonders gut. Ich war zu dieser Zeit oft im Café. Die Ruhe dort war herrlich und genau die brauchte ich, um mich für meine Prüfungen vorzubereiten. Zu Hause lenkte mich einfach zu viel ab und langsam kam ich ziemlich in Zeitnot. So kam es, dass ich beinahe täglich im Café war – über Stunden hinweg sass ich da, brütete über meinen Büchern und lernte fleissig. Zwischendurch gönnte ich mir kleine Pausen, in denen ich mich zurücklehnte und die Menschen im Café beobachtete. Oft war aber nur Herr Müller da. Ich weiss nicht wieso, aber irgendwie beruhigte mich der alte Mann. Es war etwas in seiner Ausstrahlung, dass mich ruhig werden und mich trotz Stress und Prüfungsangst entspannen liess. Ich sprach nie ein Wort mit ihm, aber ich gewöhnte mich so sehr an Herr Müller, dass er so etwas wie ein Freund für mich wurde. Eines Tages – ich hatte meine Prüfungen schon längst bestanden – beschloss ich, Herrn Müller im Café zu besuchen. Aber er sass nicht mehr an seinem Tischchen – ich erfuhr durch Zufall, dass er verstorben war. Seit diesem Tag sitze ich oft an seinem Platz in der Ecke und erinnere mich zurück an jene Zeit und an meinen guten alten Freund Herr Müller.

237 Liebes Tagebuch

Beschreibung

"Liebes Tagebuch" ist ein fiktiver Text, der auf eigenen Erfahrungen und Erlebnissen aufbaut.

Beschreibung Ort

Sitzplatz hinter unserem Haus

Kategorie: Text

Manchmal, wenn die Sonne langsam hinter den Bergen verschwindet und der Mond sein Licht über die Stadt verbreitet, muss ich an meine Grossmutter denken. Ich weiss nicht warum. Vielleicht, weil sie mir immer erzählt hat, dass in der Nacht die Sterne tanzen. Mir gefällt dieser Gedanke. Oft schaue ich nachts zum Himmel hinauf, aber tanzen habe ich sie noch nie gesehen. Ich bin gerne hier. Dieser Ort macht mich glücklich. Ich fühle mich so frei, wenn ich hier sitzen und den Himmel betrachten kann. Oft sitze ich einfach nur da und träume vor mich hin. In solchen Momenten fühle ich mich stark. Gesund. Ich bin dann nicht mehr das arme Mädchen, das alle bemitleiden – ich bin normal. Oft male ich mir aus, dass ich wieder gesund werde und was ich dann alles machen würde. Und manchmal glaube ich sogar daran. Ich frage mich oft, wie mein Leben sein würde, wenn ich nicht krank geworden wäre. Vielleicht wäre ich glücklicher. Oder auch nicht. Vielleicht wäre mein Leben besser. Oder auch nicht. Aber es ist nun mal so passiert, und im Grunde genommen ist es dumm, sich zu fragen, wie das Leben sein würde, wenn das alles nicht geschehen wäre. Ich weiss, dass ich nie eine Antwort finden werde – ich weiss, dass ich es nie verstehen werde. Oder kann ich es verstehen? Muss ich es verstehen? Wenn ich es verstehen würde, dann hätte ich das Leben begriffen. Aber man kann das Leben nicht verstehen. Es ist nicht logisch – eine Abfolge von Ereignissen, die keinen Sinn ergeben. Meine Grossmutter hat mir einmal erzählt, dass die Welt ein Puppenhaus sei und Gott der Puppenspieler. Ich hoffe nur, dass Gott noch ein Weilchen mit meiner Puppe spielen möchte…

239 Table Rase

Beschreibung

Hommage au mieux, qui meurt souvent en accouchant du bien.

Beschreibung Ort

Kategorie: Text

Je viens d'un endroit paisible. De petites perturbations y parviennent, mais d'ailleurs. J'aime bien, ailleurs, mais il connaît mal ici, et il y en a toujours un pour fâcher l'autre. Les choses se passent bien quand on se connaît. Quand on sait où on va. L'agitation se concentre Où j'habite autour d'une table rase. Un lieu qui ne veut rien savoir, qui ne veut pas faire bien. Qui voudrait juste faire mieux.

240 Piccolo mondo

Beschreibung

Ein Text von meinem Lieblingskaffee, das als kleine Welt für die ganze Stadt Winterthur steht.

Beschreibung Ort

Mein Lieblingskaffee, in der Pfarrgasse bei der Stadtkirche, das als kleine Welt für die ganze Stadt Winterthur steht.

Kategorie: Text

Piccolo Mondo Gegenüber, die Häuserfassade ist eine Attrape. Die Stadt ist eine Attrape, steil gegen den bleichen Himmel aufgestellt, milchige Riegelhäuser und dahinter gibt es keine Welt. Piccolo Mondo, ein Café in der Pfarrgasse: ein Fingerhut in einer kleinen Welt, die es gibt, in einer grossen Welt, die es nicht gibt, weil sie zu gross ist. Ich glaube, du langweilst dich, wie wir hier sitzen. Von der Steinberggasse kommen Luftblasen geflogen, die zerplatzen nicht. Sie kullern durch die Buche, die sich über den Himmel streckt. Ich sage: „Schau“. Und du schaust und siehst nichts und ich wünsche mir, diese Luftblasen, die nicht zerplatzen, könnten mir eine Welt sein und ich wäre in ihnen und dann vielleicht würdest du mich sehen. Aber du siehst mich nicht. Du siehst keine kleine Welt. Du siehst nur, was gross ist und laut. Buchen, die aus einer Pflastersteingasse aufstehen und sich über den Himmel strecken, gibt es nicht. Wie soll es dann mich geben? Janine bedient uns. Janine läuft. Janine lacht. Janine lebt. Man kann ihr dabei zusehen, Janine leuchtet. Die Sonne scheint über die Attrappe und du, mitten darin, ein falscher Schauspieler. Ich wäre gern wie du. Ich wäre gerne du. Aber wie die Stadt ein Dorf bleiben wird, werde ich ein Heimatsuchender bleiben. Wie die Stadt gewachsen ist und sich verliert, werde ich die Heimat verlieren, wie ich sie suche. Ich schaue dir ins Gesicht, darin spiegelt sich der Schriftzug, „Piccolo Mondo“. Aber du schaust weg, trinkst Janines Espresso . Und mein Herz rutscht unter den Magen, rutscht unter den Tisch, rutscht unter die Stadt. Du weisst nicht, was es heisst, Janines Espresso zu trinken. Unter der Stadt schlägt mein Herz, es presst Luftblasen aus den Pflastersteinen. Das Herz der Stadt schlägt unter dem Tisch, es stampft Attrappen aus den Pflastersteinen. Unsre Herzen sind zu klein für die Welt. Du erzählst von grossen Dingen. Ich höre nicht zu. Dies ist der einzige Ort, wo es mir gelingt, absolut zu vergessen, dass ich bin.

251 Das Klo

Beschreibung

Luegislandstrasse

Beschreibung Ort

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Ja das Klo ist der Platz an dem ich am liebsten bin. Genau genommen der einzige Platz an dem ich gerne bin. Am Morgen aufstehen und erst mal meine drei Geschwister wecken. Frühstück machen für alle, abwaschen, der Kleinen die Schuhe binden, auf den Bus rennen. Im Büro sitzen. Auf meinem Bleistift rumkauen und auf die Uhr schauen. Warum ich eine KV-Lehre mache? Ja genau das frage ich mich selber. Jeden Tag der gleiche Müll, Rechnungen in den Computer tippen, Telefone von arroganten Buisnessheinis entgegen nehmen und immer schön nett sein natürlich. Nicht vergessen, gell! „ Machen sie mir noch einen Kaffi bitte, Fräulein Meyer? „ Sicher Chef, wenn sie zu blöd sind ihn selber zu machen. Sagen tu ich das dann doch nicht. Während ich auf den Bildschirm starre fallen mir die Augen zu. Lange muss ich nicht auf eine Ermahnung meiner netten Arbeitskollegin warten: „Ja aber hallo! Das geht doch nicht, du musst einfach ein bisschen früher ins Bett, gell? „ Danke für den Tipp, wäre ich doch selber drauf gekommen. Wenn zu Hause endlich mal all meine Geschwister im Bett sind, ertönt durch die ganze Wohnung der Streit meiner Eltern. Meine Mutter sagt immer zu mir: „ Es gibt mal schlechte Zeiten, hilf doch noch ein bisschen mehr mit um uns alle zu entlasten, deine Geschwister sollen doch ihre Kindheit noch geniessen.“ Komm ich vom Büro nach Hause fängt die Arbeit erst richtig an. Zeit für mich? Vergiss es! Nur auf dem Klo im Büro. Dort sitze ich dann, schliesse hinter mir die Türe und schaue die hässlich braune Klowand an. Neben mir das WC-Bürsteli. Dann warte ich bis das Licht automatisch ausgeht. Einfach Stille. Endlich! Die Beine gegen die eine und der Rücken gegen die andere Klowand gestemmt, schliesse ich meine Augen und schlafe. Eine Stunde die nur mir gehört, in der niemand etwas von mir verlangen kann und ich endlich, endlich schlafen kann. In dieser engen Klokabine fühle ich mich frei. So richtig! Wer ist hier schon besser als der andere? Selbst der Chef scheisst hier nur. Auf dem Klo sind wir doch alle irgendwie gleich.

252 Grossvater

Beschreibung

Grossvater

Beschreibung Ort

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Großvater ist nicht mehr. Großvater ist tot. Ich weile in Na Trang an der Ostküste Vietnams als mich die Botschaft erreicht. Die Zeilen flackern über den Bildschirm; benommen sitz ich da in diesem uringeschwängertem Internetcafe. Ich will bezahlen¬-geht in Ordnung, vier Minuten kosten nichts. 22 Jahre hab ich Großvater verflucht und geliebt. Meine bevorstehende Geburt kommentierte er mit den Worten: ”Soso, nun geht’s also ans kalbern.” Mams mit geplatzter Fruchtblase im Türwinkel stehend, hatte für einmal wenig Verständnis für den Humor und die bäuerlichen Begriffe ihres geschätzten Schwiegervaters. Nun ja, der Vergleich von Schwangerschaft und Niederkunft zwischen Kuh und Frau ist vielleicht nicht schmeichelhaft wenn auch nicht allzu fehlgeleitet. Auf dem Gehsteig pflanz ich mich auf’n Hocker und ordere bei der beinahe zahnlosen Dame Kaffe. Ihr Grinsen weckt die Erinnerung eines Geburtstagswunsches aus meiner Kindheit, als ich Grossvater innigst darum bat, für einmal sein Gebiss niederzulegen und mir seinen zahnlosen Mund vorzuführen... War er bestimmt kein Mann von Eitelkeit - zögerte er dennoch. Ja er zierte sich, um mir letztlich den Wunsch zu erfüllen. Ich bin traurig für mich, werde ihn nimmer wiedersehen. Doch sollte ich glücklich sein, sein Wille ist geschehen. Ja vor Freude sollte ich quietschen. Er war bei klarem Verstand, mobil bis zuletzt. Den Wunsch eines solchen Abgangs hat er in aller Deutlichkeit geäußert. Steh ich mir selbst am nächsten quietsch ich nicht - bin verstandsbedingt nicht ernstlich betrübt, dennoch zu erbärmlich um für Großvater, um den es hier geht, aufrichtig glückselig zu sein. Hat er mich kurz vor meiner Abreise, bei unserem letzten Telefonat, höchstpersönlich zu seiner Einäscherung geladen, hab ich die leise Vermutung der Gute wusste herzlich genau, dass er nicht mehr lange ist. Er schalkte, denn er wusste um meine Gottlosigkeit. War er selbst nicht religiös, würde mich in der Kirche nicht erwarten und auf Gepflogenheiten hat er nimmer viel gegeben. An Beerdigungen in Erinnerungen oft zu Verherrlichung geneigt wird, bin ich nicht unfroh nicht Vorort zu sein. Er vieles war, doch bestimmt kein Heuchle. So empfände ich Heuchlerei und Verglorifizierung erst recht als widerlichen Akt. Großvater hat es bei Lebzeiten nicht versäumt, denen ans Bein zu pissen wenn er es für angebracht hielt. Früher da war er ein Besserwisser. Doch wenn er uns auch als Kindern die Postkarten mit Rotstift markierte, einem die Schreiberei versaute, ließ er sich von uns Erwachsenen Neuheiten erklären - sein Englisch korrigieren. Er lebte konservativ und bescheiden, war dennoch von Weitsicht und gedanklicher Moderne. Großvater hielt nichts von unnötigem Besitz. Er war kein Mann des Habens, nein er war ein Mann des Seins. Denn was, wenn die Seele vor lauter Wohlstand verwahrlost, nicht mehr spricht, man funktioniert statt lebt?! Als Kind nahm er mich mit, auf seinem Moped in den Wald. Da war er Zuhause, da gehörte er hin. Eines Tages zogen wir gemeinsam los, ratterten in die Natur hinein. Ich stieg vom Zweirad und verbrühte mir am kochenden Auspuff bitterlich mein rechtes Knie. Die Haut schmolz dahin, doch ein echtes Indianerkind kennt keinen Schmerz. So unterdrückte ich die Tränen. Großvater nahm mich für voll und als ich log, ihm versicherte das es nicht schmerzt, machten wir uns auf in die wuchernde Wildnis. Er verabreichte mir ne unkarge Portion seines Wissens von Flora und Fauna, bis wir uns erneut aufs Moped schwangen und Richtung Wirtshaus schepperten. Er total dahin von den Waldeindrücken, ich durch andere Umstände belämmert. Gasthaus Sonne - das Restaurant seines jüngsten Nachkommens. Hittnau - mein Heimatdorf im idyllischen Zürcher Oberland, nicht selten über der Nebelgrenze. Unter den Linden steht Großvaters Werk, Filous Hundehütte mit Namensschild versehen. Rein in die gute Stube. Die massive Holzdecke ist niedrig, Großvater hat hier so einiges mitgezimmert, geschliffen und gepinselt. Er steuerte den Stammtisch an, den Schiffertisch, wurde namentlich begrüßt, setzte sich an seinen Stammplatz und die Dame des Service machte sich sogleich an die Zubereitung seines Kaffees. Für mich gab’s ne heiße Schokolade. Großvater begann zu referieren, vom Krieg und überhaupt. Nein nicht schon wieder! Dann kam ich ins staunen und nicht mehr raus: hier kennt ihn jeder, den Hansjakob. Den Schneider der einst hoch zu Ross der Cavalerie diente. Der, der seinen drei Söhnen die Selbstständigkeit ermöglichte und weiss wie man Schädlinge bekämpft. Mit Sicherheit waren ihnen seine Geschichten ähnlich vertraut, doch im Gegenteil zu mir, hingen sie an seinen Lippen. Wusste ich damals nicht, was die plötzliche Faszination in mir weckte, mein Interesse für diesen rustikalen Redner. Bis anhin war er der, der immer das letzte Wort anstrebte, der aus dem letzten Jahrhundert. Zugegeben ein humorvoller Kauz, doch seine Referate, sein Redefluss… Doch da am Stammtisch vor dem grünen Kachelofen, da horchten sie ihm mit gebührendem Respekt und plötzlich wunderte ich mich ob Großvater wohl doch was zu sagen hat, ob es sich um mehr als ein unstillbares Mitteilungsbedürfnis handelt. Bis dahin war’s mir einerlei was er die lieben langen Tage treibt, doch plötzlich fühlte ich mich auserkoren, eingeweiht in ein Geheimnis. Da auf seinem Stammplatz sitzend, erblickte ich einen Mann der ne Geschichte trägt. In manchen Belangen ein sturer Bock, doch einer mit Charisma, der sich nimmer untreu wurde. Seit ich mich besinne spatzottelt er einmal, wenn nicht zweimal des Tages Richtung Dorf, in die Sonne, außer Mittwochs, da sind die Pforten geschlossen und Großvater für gewöhnlich frustriert. Doch nicht nur ihm setzten Mittwoche zu, Filou, Großvaters Freund und Begleiter litt wahrlich mit. Nach unserem Ausflug Zuhause angelangt empfing uns der Hund und meine Mutter. Was war sie in Rage als sie mein Knie erblickte. Die Muttergefühle müssen mit ihr durchgegangen sein. Der Arme wurde zu Kleinholz verarbeitet, dabei hatte er ein Herz aus Gold, wie das Schwein Namens Babe. Mams konnte es folglich nicht unterlassen ihn regelmäßig an meine eiternde, nicht heilen wollende Wunde zu erinnern. Neckender Schalk. Er hat’s gefressen sowie er das Katzenfutter gefressen hatte. Dies ergab sich folgendermaßen: Eines Tages bat er meine Schwester und mich, ihm Omas Spaghetti Bolognese aufzuwärmen, da er selbst mit der neuzeitlichen Technik der Mikrowelle nicht vertraut war, nie wurde. Da stand zugleich die halbvolle Dose Katzenfutter vom Neger, seinem geliebtem schwarzen Kater. Großvater war kein Rassist, doch gab er herzlich wenig auf politische Korrektheit oder neumodische Begriffe. Wir hingegen gaben viel auf Großvaters Gaumenschmaus, zögerten nicht und mischten Negers Futter bei. Grinsend servierten wir unsere neuste Gourmet-Kreation. Weshalb auch nicht, war meine derzeitige Leibspeise Essiggurken mit Nutela während meine Schwester Darvidas mit Butter und Zucker für ne Delikatesse hielt. Großvater dankte uns lieben Kindern, putzte den Teller restlos aus, schmatzte und sang ein Loblied auf Omas Kochkünste. Es war Herbst, als wir ihm ein blaues Auge verpassten. Alljährlich wurden wir verdonnert die gefallenen Äpfel für die Mosterei einzusammeln, pro gefüllten Eimer 20 Rappen. Großvater schaute himmelaufwärts in die Äste während er mit seinem Schüttelstab rüttelte. Äpfel fielen. Ein inspirierender Anblick. So warfen wir bereits gefallene Äpfel in die Lüfte. Dahin wo sich Großvater befand, bis ein Apfel auf nen Augapfel traf. Boskop auf Hansjakob. Abends dankte er uns fleißigen Kindern, zahlte uns aus und kühlte sein angeschwollenes Augenlicht. Viele Jahre später, seit Vorgestern, ist sein Augenlicht gänzlich ausgeknipst. Doch gegen das Sterben hatte er nun wirklich nichts. Denn das ist Natur in Reinform. Fleisch, Setzlinge, Tiere und Selbstversorgung gehörten zu seinen liebsten Themen… Pferdeäpfel ein unschlagbarer Dünger… Er beherrschte die Kunst des Bäume zweiens und hatte wenig Verständnis wenn wir Kinder uns mehr für die frischen Früchte, als die dahinter steckende Arbeit interessierten. Dafür verstand Großvater wie kein anderer Verwachsener kindliche Abenteuer, rüstete uns Indianer mit Pfeil und Bogen und wusste wo es Vogelfedern für Kopfschmuck zu finden gibt. Als ich mit 15 Unschuldsjahren alleine an die Australische Ostküste zog, hatte er in etwa soviel Verständnis wie für mein Vegetarier Dasein. Zuerst ne anständige Ausbildung lautete seine Devise. Dennoch dies war der Beginn unserer Brieffreundschaft und Großvater wusste zu korrespondieren, er schrieb wie er sprach, frisch von der Leber weg. Da besuchte man ihn und wurde begrüßt:” Du bist schon ein gspässiger Vogel, deine rosaroten Haare gefallen mir nicht und du bist ein magerer Hund, ein anständiges Stück Fleisch solltest du essen.” “Großvater ich esse kein Fleisch” “Dann solltest du damit beginnen.” “Jawohl, Herr Cavalerist.” “Ach mach doch was du willst, das machst du einerlei.” “Da komme ich ganz nach dir.” Er kratzte sich hinter seinem abstehenden Ohr, grinste und erwiderte:” Du machst das ganz richtig, jaja du bist ne Gute, ein gspässiger Vogel doch die braucht’s erst recht!” Die asiatische Ansichtskarte ist verfasst, mit dem obligaten Schlusssatz: ”Halt die Ohren steif.” Die Sendung hat sich wohl erübrigt. Ich verlasse das Gehsteigcafe und marschiere zur nächsten Telefonzelle. In der Schweiz muss es halb neun und mein Paps folglich beim Frühstück sein. “Schneider” “Hi, ich bin’s” “Firle, wie geht’s dir?” “Gut soweit, doch wie steht’s um dich?” “Hast du die E-Mail gelesen, wir wollten dir zuerst nichts sagen, doch deine Schwester meinte wir sollten dich informieren. Haben wir dir nun die Reise versaut?” “Nein, weißt du ich bin traurig für mich, doch wir sollten für Großvater glücklich sein, er war Startklar.” “Genau, er musste auch nicht leiden, er wollte keine medizinische Lebensverlängerung…” Paps berichtet wie sich das Ganze abgespielt hat, die Oma sei gefasst und wohl auf, traurig doch beschäftigt mit der Beerdigung wie lange nicht mehr. Unzählige Briefe seien eingetroffen, von Leuten die wir nicht kannten, doch die Freund mit Großvater, dem jüngsten alten Mann und seinen Referaten waren. Vorgetragen von seinem Stammplatz im Wirtshaus. Wir quatschen lange, Paps und ich bis er meint: “Wenn du zurück bist dann gehen wir in die Sonne.” “Oh ja wir setzten uns an den Stammtisch und bestellen ein ordentliches Stück Fleisch.”

253 Firle Franz

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Firle Franz

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Ich bin’s, Firle Franz und ich will euch berichten von meinem mir liebsten Platz. Im Untergrund der Oberfläche befindet sich das Magnetressonanzzentrum des Uni-Spital Zürichs, wo ich mich einmal die Woche ins Magnetfeld lege. So auch heute. Ich tapeziere mir die Visage gesellschaftstauglich und verlasse meine Behausung an der Fritschistrasse, erblicke nen kauernden Penner der sich genüsslich die Nase bohrt; ich teile seine Vorliebe und unterlasse den Drang es ihm gleichzutun. Denn wir, der Mensch prostituiert sich dem Gesellschaftskodex, lebt ungeschriebene Gesetzte an die er nicht glaubt. Stattdessen besteige ich die Straßenbahn, Radiohead in meinem Kopf “Mephistophes is just beneath and he’s reaching up to grab me…this is one for the good days and I have it all here..…” Selbstverständlich zu feige um es von mir zu geben. Wie verhalten ich doch bin. Ich wäre so gerne radikal. Würde H&M boykottieren, kein lecker Fisch mehr speisen und dem Papst Drohbriefe schreiben. Denn ehrlich der geht mir mächtig auf meine nicht existierenden Eier. Lässt sich im vergoldeten Wagen rumchauffieren, predigt gegen Kondome während halb Afrika an Aids krepiert. Man sollte ihn zum Schweigen bringen, diesen Epidemienförderer, bin ich gegen Zensur, doch den verdammten Genozidleugnern verbietet man schließlich auch zurecht den Mund. Im UNI-Spital streunen Menschen in Kitteln umher. Mit dem Fahrstuhl begebe ich mich in die Unterwelt. Bling. Künstliches Licht flutet mir entgegen, den Flur lang und da begrüßt mich bereits Andreas der Doktorand. Ich entkleide mich und schlüpfe in den grünen Untersuchungsdress, lege Schmuck und Metalklammern aus meinem Haar nieder, bevor ich mich in den Untersuchungsraum begebe. Wir sind eingespielt, Andreas und ich. Er schiebt mir das Formular rüber, Datum, Personalien, Körpergewicht und Signatur. Herzschrittmacher? Nein. Platzangst? Nein. Metalinplantate? Nein. Und so weiter und so fort. Ich lege die mitgebrachten CD’s in den Player während er das ausgezogene Bett arrangiert, er reicht mir Ohrstöpsel, ich leg mich nieder, halte den Kittel hoch und Andreas verkabelt mich mit der Maschine die meine Herztöne misst. Mit Schaumstoff wird mein Kopf fixiert, er reicht mir den Notfallknopf und schiebt mich in die Röhre. Kurz darauf meldet er sich über den Lautsprecher, erkundigt sich nach dem Volumen der Musik und fragt :”Bist du bereit?” “Yeps” “Gut dann geht es los” Die Messung beginnt, das MRT rattert, ich schließe die Augen und lasse Jonny Cash in meinen Hörsaal dringen. Zwei reglose Stunden an meinem mir liebsten Ort, isoliert von der Außenwelt, wo die Gedanken treiben. Hier wo ich mir nicht selten selbst auf die Schliche gekommen bin. Ich habe keinen Tumor, ich diene der Forschung. Zugegebener Maasen weniger aus ideologischen als aus finanziellen Gründen, denn ich bin mir nicht schlüssig wie weit der Tot bekämpft werden soll. Nicht dass mir ums sterben wäre, doch was wenn wir eines Tages Menschen züchten? Mein Paps ist Landwirt und ich besinne mich an den monatlichen Samenkatalog mit beigelegter Bestellliste. Was wenn uns eines Tages ein menschliches Ersatzteillager zur Verfügung steht? Ich spüre die Messung in meinem Leib, sie rattert hoch direkt in mein zentrales Nervensystem. Johnny schmettert “I hurt myself today to see if I still feel.” Ich verfalle dem Halbschlaf, wo die Realität oder zumindest die meine, auf Phantasie trifft… Ja denn die meine Realität nicht deine ist, wie umgekehrt. Könnte ich mich transformieren, möge dein Reich kommen, mir Einblick gewähren in die deine Wahrheit. Doch will ich wiederum weder wo noch wer anders sein. Schlummernd höre ich meinen Namen: “Firle, Firle bist du hier?” Woher die Panik? Es dauert einen Moment bis ich die Stimme Andreas und dem Lautsprecher zuordnen kann. “Firle?” “Ich bin hier, wo sollte ich hin?” “Ich hab keine Herztöne von dir, muss wohl die Maschine sein, ich komme rein.” Ich atme also lebe ich, doch Moment! Leben ist doch mehr als atmen? Da zieht mich Andreas aus der Röhre. An den Kabeln fingernd stellt er fest.” Das ist es nicht, ich glaube die Batterie ist alle.” Nach dieser astreinen Diagnose fahren wir mit der Messung fort. Doch nun hab ich den Faden verloren, wo war ich noch gleich mit meinen Gedanken? Es will nicht, stattdessen erscheint die vergangene Nacht mit meiner Liebschaft. Nein, bitte keine frivolen Bilder, nicht jetzt wo mein Hirn auf Andreas Computer flimmert. Ach was soll’s. Weiß ich nicht wonach er forscht, ich weiß nicht ob ersichtlich ist, welche meiner Hirnregionen aktiv ist und überhaupt, ich wollte mich doch befreien von dieser idiotischen Selbstzensur. Zu diesem Entschluss führte mich das Motto des letztjährigen ersten Mais das lautete :”Verlieren wir die Beherrschung!” Der Verstand besagt dies kommt in etwa der Aufforderung: “schlagt alles kurz und klein” gleich. Dennoch mir schien und scheint es an der Zeit die Beherrschung zu verlieren! Ja, wenn die Finanzkrise noch nicht ausgeharrt, die Manager bereits wieder ihre Bonis einkassieren. Die Wehrpflicht für den Mann immer noch besteht. Homosexuelle Paare keine Kinder haben sollen. Wir immer noch hinter verschlossenen Türen weinen und furzen, uns in aller Heimlichkeit zudröhnen. Waffen exportieren während uns afrikanische Bürgerkriege nichts angehen wollen. Wenn professionalisieren bürokratisieren heißt. Wir tatsächlich über ein Burkaverbot diskutieren. Wenn ungeschriebene Gesetzte uns beschämen, beengen… Staat und Religion getrennt, der Sonntag dennoch heilig ist. Wenn jugendlicher Idealismus systematisch getötet wird. Wenn wir so vieles nicht sind, offiziell aber so tun als ob. Wenn ich selbst immer noch zu feige bin mich rechtzeitig meiner Realität zu stellen, mich zu leben, für mich zu stehen. Nicht integer, bequem und heuchlerisch bin. Ja, dann lasst uns verdammt noch mal die Angst, die auferlegte Scham, die Floskeln, den Materialismus, die Unfreiheit, die Schein- und Schleimheiligkeit, die Kokketiertheit, die Doppopelmoral, das Heucheltum, ja den Kapitalismus, die Selbstzähmerei und die Beherrschung ablegen. Lasst uns verlieren. Lasst uns sein! Bestärkt will ich mich nun meiner Lüsternheit widmen, doch steck ich noch mitten im Vorspiel, beflügelt von sachter Zartheit als ne Stimme erklingt :”Das war’s ich hol dich raus.” Andreas zieht mich aus der Röhre und grinst. Weiß er von meinem Manifest? Ich strecke und entkable mich, ziehe die EEG Sticker von meiner Haut, Brustenthaarung inklusive, derweilen Andreas das Laken wechselt und meint: ”Nächste Woche, gleiche Zeit?” “Klar, liebend gerne.” Auf dem Computer, hinter der Glasscheibe flackert ein Schädel. Mein Schädel. Wir wenden und drehen mein Hirn, zoomen direkt hinein. “Sind das meine Neuronen?” “Genau und das hier ist die Luftröhre, die ist schwierig zu Messen, wegen dem Puls, doch ich glaub ich hab ein paar scharfe Bilder erhalten.” Wir verabschieden uns. Ich werde wiederkehren in mein Exil, in die Röhre wo ich mir nicht entkommen kann. Wie oft ich vor mir türmte, hier mein Gericht mich richtet. In meinem Separé wo ich mich gnadenlos verfluchte und mich aufrichtig in mich verliebte. Wahrlich, hier lässt es sich sein, in aller widersprüchlicher Herrlichkeit.

270 Industriemoderne

Beschreibung

Inspiriert durch wohlbesinnte Momente an diesem einzigartigen Ort und einer Fotografie, die ich diesen Frühling hier aufgenommen habe.

Beschreibung Ort

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Industriemoderne - zwischen Moderne & Nostalgie: Dort wo Neues auf Altes & Erhabenes trifft, jo genau dort zieht es mich immer wieder hin. Ein feiner Duft von altem Maschinenöl und Staub stösst hier auf wohldosierte Parfüms aus der modernen Welt des Kommerzialismus' und vermischt sich zu einer sanften Geschmacksnote. Manchmal scheint es gar so, als könne man einen Moment lang noch den Schweiss unserer fleissigen Vorväter riechen, die Tag für Tag in den mächtigen Hallen schufteten, um ihre geliebten Familien irgendwie über die Runden zu bringen. Such dir hier drinn ein bequemes Plätzchen und lass die Sonnenstrahlen, welche durch die verschmutzten Fabrikfenster dringen, auf deinem Gesicht tänzeln. Schliesse die Augen, atme einmal tief ein und du wirst sehen, wie leicht du in der guten alten Nostalgie versinkst... ...bis dich plötzlich das Motorengeräusch eines PKW's aus der modernen Zeit wieder aus deinen Träumereien reisst! Ein Stück Magie der anderen Art; erzeugt durch das Zusammenspiel von Nostalgie & Moderne. Vom Bahnhof her ist's nicht mehr weit, ein Katzensprung in die gute alte Zeit. Und doch zieht er mich immer wieder magisch an, der Ort an dem ich träumen kann. Man ist hier fern vom bunten Treiben; die Kombination der Einflüsse macht ihn aus, den Ort an dem ich gerne noch ein bisschen möchte bleiben. *Sulzerareal; Parkhaus in der alten Holzbauhalle von 1859